Ein halbes Jahr in Maisha Mema (August
2010 – Februar 2011)
Aufgeweckte Kinder, liebevolle Hausmütter, eine
Metzgerei (Holzhütte) direkt vor dem Tor, ein Wächter
mit seinem Holzstock und das Loch in der Wand (kleiner
Shop für alles) waren im letzten halben Jahr meine
tägliche Umgebung.
Als ich im August nach Kenia kam, war alles neu für
mich. An die Dusche mit einem Plastikeimer und Becher
musste ich mich zuerst einmal gewöhnen. Das kenianische
Essen (Ugali, Bohnen, Chapati, zähes Fleisch…) schmeckte
mir damals noch ziemlich gut und dass Wetter war
erstaunlich frisch. Schmutz, Armut, Verkehr,… waren
beeindruckend und erschütternd zugleich.
Von Tag zu Tag lernte ich Kenia besser kennen und
lieben. Mein Englisch wurde besser und Afrikanischer
:-) und ich lernte sogar einige Worte Kiswahili. Die
Zeit mit den Kinder, war für mich sehr wertvoll. Ich war
erstaunt, wie glücklich und zufrieden diese Kinder trotz
ihrer erschütternden Lebensgeschichten waren.
Es war schön zu sehen, wie normal die Kinder sind. Auch
in Kenia waschen die Kinder nicht gerne ab und spielen
ab und zu Streiche.
Der kenianische Alltag ist sehr vom Glauben geprägt.
Überall kann man Bibelverse und Ermutigungen sehen. In
der Schule gibt es ein Schulfach wo die Kinder schon von
klein an vieles über die Bibel lernen. In der Kirche
feiern sie Gottesdienst mit grosser Freude und
Leidenschaft. Als ich mit einigen Leuten über den
Glauben in der Schweiz redete, waren sie erschüttert und
machten eine für mich sehr eindrückliche Aussage: Die
Europäer haben den Glauben nach Afrika gebracht und ihn
dort gelassen!
Die Menschen in Kenia sind sehr gastfreundlich. Mit der
Einstellung einer mehr oder weniger macht auch keinen
Unterschied, da ist immer ein Teller für einen Gast
übrig. Auch wenn der Verkehr in Kenia überhaupt nicht
stressfrei ist, leben die Menschen sehr gemütlich. Sie
nehmen sich Zeit für das Umfeld und die Familie.
Die Leute sind sehr freundlich und helfen einander
gerne. Beim Kleider waschen von Hand, war ich
mehrere Male sehr dankbar um die Hilfsbereitschaft, da
ich gegen Flecken in den Kleidern einfach chancenlos
war.
In den 6 Monaten in Kenia habe ich viel gelernt. Ich
habe verstanden, dass ich nicht immer 1 Monat im voraus
planen muss und
mir Zeit für andere Menschen aber auch für mich nehmen
kann. Ich lernte, dass viele Menschen auch glücklich
sind, wenn sie nicht so viel haben wie wir in der
Schweiz. Ich durfte eine unglaubliche Gastfreundschaft
erleben und durfte mich als ein Teil der Maisha Mema
Familie fühlen.
Meine Zeit in Kenia, ging mit Renovieren, Unterrichten,
Briefe markieren, Spielen, Kochen, Sonne geniessen und
vielen neuen Eindrücken viel zu schnell vorbei. Ich
bedanke mich bei allen sehr herzlich für die wunderbare
Zeit.
Bettina Jorns,
November
2009
Bezug zur
Sozialen Arbeit
Maisha Mema ist Kisuaheli und bedeutet: Ein besseres
Leben. So nennt sich das Hilfswerk des Ehe-paars
Marianne Haldimann Mydland, Schweizerin, und Jonny
Mydland, Norweger, in einem von vielen Slums in Nairobi,
der Hauptstadt Kenias. Von Anfangs August bis Ende
Oktober 2009 durfte ich beim „Maisha Mema Child
Sponsorship Program" als Praktikantin drei Monate
verbringen.
Ich hatte mich entschieden, das Vorpraktikum für die
Aufnahme an der Fachhochschule für Soziale Arbeit in
Afrika zu absolvieren, da ich mich einerseits sehr für
Entwicklungsarbeit interessiere und ich andererseits
durch meine bisherige Berufstätigkeit bereits einen
guten Einblick in die Soziale Arbeit in der Schweiz
erhalten habe.
Die Arbeitslosenquote Kenias liegt bei rund 30%.
Dementsprechend viele Einwohner leben unter der
Armutsgrenze. Durch den Umzug vom Land in grössere
Städte Kenias erhoffen sich viele eine Arbeits-stelle.
Meistens finden diese Neuzuzüger in den Städten keine
Arbeit oder nur einen kleinen Neben-verdienst, bei dem
sie unter unzumutbaren Arbeitsbedingungen kaum genug
verdienen, um für den Lebensunterhalt aufkommen zu
können. So kommt es, dass die Slums rund um Nairobi
rasant anwach-sen. Gemäss Amnesty International leben
zurzeit etwa 2 Millionen Menschen in den Slums von
Nai-robi. Die Bevölkerung Kenias ist seit dem Jahr 2000
um 10 Millionen auf rund 40 Millionen Einwohner
gewachsen und zählt somit weltweit zu den Ländern mit
dem grössten Bevölkerungswachstum.
Die Einwohner Kenias sind mit 50%, welche unter
18-jährig sind, ein sehr junges Volk. Grund dafür sind
unter anderem der schnelle Bevölkerungswachstum und
besonders HIV/AIDS, Malaria, Krebs und wei-tere
Krankheiten, welche durch Geld für Prävention oder
medizinische Versorgung verhindert oder behandelt werden
könnten. Durch die grosse Armut und die mangelhafte
Infrastruktur in den Slums sind viele Eltern nicht in
der Lage, für genügend Nahrung, Medizin und Schulbildung
ihrer Kinder auf-zukommen. Obwohl gemäss der
kenianischen Verfassung die 8-jährige Grundschule
obligatorisch und für alle Kinder zugänglich ist, können
sich Viele simple Dinge, wie Schreibzeug und
Schuluniformen nicht leisten. Kinder, welche nicht zur
Schule gehen, müssen meist ihren Eltern bei schwerer
Arbeit helfen oder treiben sich ohne sinnvolle
Beschäftigung auf den Strassen herum und werden nicht
selten drogensüchtig oder kriminell.
Das Hilfswerk Maisha Mema hat in Soweto, einem der
kleineren Slums Nairobis, ein Klubhaus errich-tet. Dort
werden vormittags sechzehn Slumkinder, welche sich im
Alter von 6- bis 7-jährig befinden, in vier
verschiedenen Klassen auf die Einschulung vorbeireitet.
Den Kindern wird das Lesen und Schreiben (Voraussetzung
für den Schuleintritt) beigebracht. Nachmittags
schliessen sich die Erst- bis Drittklässler den
Morgenklassen an und erledigen Hausaufgaben oder
beteiligen sich am Unterricht. Am späteren Nachmittag,
wenn die kleineren Kinder nach Hause gehen, kommen die
Schüler der 4. bis 8. Klasse ins Klubhaus, um
Schularbeiten zu machen und zu lernen. Jugendliche,
welche die Grundschule beendet haben, besuchen die „Secondary
School", zu vergleichen mit dem Gymnasium, und das
„College", eine Art Hochschule. Die Meisten absolvieren
diese Ausbildungen an sogenannten „Boarding Schools", wo
die Schüler wohnen und nur während den Schulferien nach
Hause fahren.
Einige Kinder, welche halb oder ganz verwaist sind
oder in besonders armen und kriminellen Verhält-nissen
lebten, wurden von Jonny und Marianne Haldimann Mydland
in ihr Kinderheim aufgenommen. Das Heim, welches ein
Teil des Hilfswerkes ist, wird von den beiden mit
Unterstützung von zwei kenia-2
Bezug zur Sozialen Arbeit
nischen Hausmüttern sehr familiär geführt. Maisha
Mema möchte, dass die momentan 26 Kinder und Jugendliche
(Anzahl ändert sich laufend), welche sich im Alter
zwischen 5 und 22 Jahren befinden, wichtige Werte, wie
Sicherheit, Fürsorge und Erziehung kennen lernen. Den
meisten waren Geborgen-heit, Aufmerksamkeit,
regelmässige Mahlzeiten, eigene Kleidung und das
familiäre Zusammenleben fremd.
Maisha Mema sorgt dafür, dass die insgesamt rund 170
Kinder und Jugendliche des Klubhauses und die 26 Kinder
und Jugendliche aus dem Heim regelmässig zur Schule
gehen, bezahlt sämtliche Kosten für Schulbücher,
Uniformen, etc. und kommt für Gesundheitskosten und die
Verpflegung der Kinder auf. Das Ziel der Organisation
ist es, den Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen
und sie durch sinnvolle Beschäftigungen von Gefahren,
wie Kriminalität, Drogensucht und Prostitution fern zu
halten.
Für Marianne und Jonny Haldimann Mydland, die
Sozialarbeiterin und die Lehrkräfte ist der Kontakt zu
den Eltern der unterstützten Kinder sehr wichtig. Aus
diesem Grund findet etwa alle drei Wochen ein
sogenanntes „Parentsmeeting" statt, wo aktuelle Themen,
welche die Kinder betreffen, aber auch Probleme
Erwachsener, wie HIV/AIDS angesprochen werden.
Die Vorgabe für mein 3-monatiges Praktikum bei Maisha
Mema war, tagsüber im Klubhaus, welches sich mitten im
Soweto-Slum befindet, als Mitarbeiterin die Lehrkräfte
in ihrer Arbeit zu unterstützen. Zudem durfte ich
Florence Kibicho, die Sozialarbeiterin des Hilfswerks,
auf einigen Hausbesuchen bei Eltern der unterstützten
Kinder begleiten.
Abends beteiligte ich mich dann am Familienleben im
Kinderheim, welches sich in Doonholm, einem Stadtteil
der sehr kleinen Mittelklasse Nairobis, befindet und wo
auch Jonny und Marianne Haldimann Mydland wohnen. Dort
verbrachte ich viel Zeit beim Geschichten erzählen,
Basteln, Spielen, Singen, Tanzen und half den Jüngeren
beim Erledigen von Hausaufgaben.
Zu Beginn meiner Tätigkeit im Klubhaus wurde ich als
Assistentin in den verschiedenen Klassen einge-setzt. So
konnte ich beobachten, in welcher Form die Kinder auf
die Einschulung vorbereitet wurden und die einheimischen
Lehrkräfte den Unterricht gestalten. Die kenianische
Unterrichtsform unter-scheidet sich etwas von derjenigen
in den meisten europäischen Staaten. Beispielsweise
verfügt nur der Lehrer über Schulbücher in verschiedenen
Fächern. So bleibt der Lehrkraft nichts anderes übrig
als sämtliche Aufgaben und Übungen an die Wandtafel zu
schreiben und zu zeichnen. Dies war anfänglich sehr
gewöhnungsbedürftig. Auch anders – und das nicht nur in
der Schule – war das einhalten von Zeiten. Sehr oft
verzögerte sich der Unterrichtsbeginn um einige Minuten.
Doch auch daran gewöhnte ich mich nach einiger Zeit und
berechnete die Verspätung anderer bereits in die
Unterrichtsplanung mit ein.
Nach kurzer Zeit konnte ich einzelne Lektionen
alleine leiten. Später durfte ich gemeinsam mit einem
einheimischen Praktikanten eine eigene Klasse mit vier
Mädchen übernehmen. Ich unterrichtete sie und auch die
Klassen am Nachmittag in den Fächern Englisch,
Mathematik, Naturwissenschaften, Zeichnen/Gestalten und
„Social Studies", bei dem den Kindern Verhaltensweisen
an Orten, wie in der Familie, der Schule oder auf dem
Schulweg, beigebracht werden.
Anfangs war die Kommunikation mit den jüngsten
Schülern, welche noch kaum Englisch sprachen und sich zu
Hause in Kisuaheli oder in einer der 52 Stammessprachen
unterhielten, etwas schwer. Doch die kleinen
Kenianerinnen und Kenianer eigneten sich sehr schnell
neue Wörter in Englisch an und brach-ten mir einige
Ausdrücke in Kisuaheli bei, dass wir uns rasch besser
verständigen konnten. 3
Bezug zur
Sozialen Arbeit
Ich bemühte mich, den Schulunterricht durch diverse (meist
selber erfundene) Spiele und Bastelak-tivitäten
aufzulockern. Die Kinder mochten das Lernen auf
spielerische Art oder in Form von Kreativität sehr und
beteiligten sich mit grossem Einsatz am Unterricht.
Ebenfalls zu begeistern waren die Kinder mit Musik und
rhythmischen Übungen. Nur zu gerne bewegten sich die
kleinen und gelenkigen Körper im Takt. In der letzten
Lektion von 16.00 bis 17.00 Uhr brachte ich den Kindern
oft aus der neuen Bib-liothek des Klubhauses
altersgerechte Bücher, von denen sie sich eines
aussuchen und lesen durften. Manchmal verbrachten wir
diese letzte Lektion auch mit Spielen auf dem
Pausenplatz. Am meisten mochten die Kinder Hüpf- und
Fangenspiele.
Nach einem Monat bat mich ein Lehrer, zwei
Nachmittage die Woche seine beiden Schüler zu
unter-richten. Die 10-jährigen Jungen, George und
Martin, leiden unter einer Lernschwäche und wurden von
der öffentlichen Schule aufgrund negativ auffallendem
Verhalten verwiesen. Sehr gerne übernahm ich diese
Aufgabe. Anfangs waren die beiden sehr unkonzentriert,
beteiligten sich nicht am Unterricht und verliessen ohne
Erlaubnis das Klassenzimmer. Ich versuchte den George
und Martin durch Geduld-spiele, ruhiges Verhalten und
Sorgfalt beizubringen, liess ihnen aber bei Tätigkeiten,
wie Malen freien Lauf. Auf spielerische Weise brachte
ich den beiden, Dinge, wie Farben, Körperteile,
geometrische Formen, etc. Durch die abwechslungsreiche
Gestaltung des Unterrichts erreichte ich aber die
Aufmerk-samkeit der Jungen und mit der Zeit entwickelte
sich Vertrauen und Freundschaft zwischen uns.
Mit der Sozialarbeiterin des Kinderhilfswerks
besuchte ich einige Zuhause unserer Schüler. Die Besuche
waren meist von sehr kurzer Dauer, ermöglichten mir aber
zu sehen, wie unvorstellbar eng in einem Slum gewohnt
wird. Zudem hatte ich die Möglichkeit, mich mit Müttern
(ein Vater war leider nie anzu-treffen) über ihre
Situation zu unterhalten. Die meisten waren
alleinerziehend und hatten keine Arbeit. Die Begegnung
mit diesen Frauen, welche zwar meist etwas schüchtern,
jedoch immer sehr freundlich waren, genoss ich sehr.
Zu Beginn des Praktikums als Assistentin/Lehrkraft im
Klubhaus war ich abends unglaublich müde und erschöpft
von all den neuen Eindrücken. Zudem beschäftigten mich
die teils enorm traurigen Geschich-ten der Kinder in der
Schule, aber auch derer im Kinderheim. Viele haben
bereits einen Elternteil verlo-ren und erlebten teils
gar den Tod der Mutter / des Vaters mit oder haben ihren
Vater nie gekannt. Ebenso viele haben HIV-infizierte
oder Aids-kranke Eltern, lebten eine Zeit lang auf der
Strasse oder wurden Opfer sexuellen Missbrauchs oder
anderer Gewalttaten. Solche Erlebnisse und Geschichten
stimmten mich anfänglich sehr traurig, gaben mir aber
später die Motivation, mich für eine gute Schulbildung
und abwechslungsreiche Schultage der Kinder einzusetzen.
Ich realisierte, dass gerade für diese Kinder das
Streben nach einer guten Ausbildung sehr wichtig ist, um
sich eine bessere Zukunft ermöglichen zu können. Mir
wurde immer mehr bewusst, dass Bemitleidung Betroffenen
nicht hilft, Motivation und Mithilfe hingegen zum Ziel
führen.
Durch meine Zeit in Nairobi und der Begegnung mit den
verschiedensten Menschen, wurde ich mir bewusst, wie
unwichtig Materielles sein kann, wenn Faktoren, wie
Gesundheit, Sicherheit und Bildung nicht gewährleistet
sind. Die Organisation Maisha Mema konzentriert sich bei
ihrer Arbeit besonders auf die Hilfe zur Ausbildung von
Kindern, stillt aber nebenbei – soweit als möglich –
auch die Bedürf-nisse nach Gesundheit und Sicherheit.
Bevor ein Kind in das Programm im Klubhaus oder
Kinderheim aufgenommen wird, klären die Sozialarbeiterin
und Marianne Haldimann die genaue Familiensituation und
den Gesundheitszustand des Kindes ab. Aufgenommen werden
nur Kinder, welche tatsächlich aus hilfebedürftigen
Verhältnissen kommen. 4
Bezug zur
Sozialen Arbeit
Das Hilfswerk hat sich seit seiner Gründung vor rund
10 Jahren einen sehr guten Ruf verschafft und ist weit
über das Soweto-Slum hinaus bekannt. In Soweto selber
wäre Maisha Mema nicht mehr wegzu-denken. Viele
Slumbewohner erhoffen sich für ihre Kinder eine bessere
Zukunft und die Nachfrage an Plätzen im
Ausbildungsprogramm ist so gross, dass aufgrund
Platzmangels Anfragen abgewiesen wer-den müssen. Maisha
Mema, dass sich ausschliesslich durch
Kinderpatenschaften und Spenden finan-ziert, ist daran
das Hilfswerk zu erweitern, damit künftig noch mehr
Kinder und Jugendliche eine Aus-bildung geniessen dürfen.
Aus meiner Sicht erfüllt Maisha Mema eine der
wichtigsten Aufgaben in einem Entwicklungsland: Das
Angebot von Schulbildung. Die Organisation geht bei
ihrer Tätigkeit sehr nachhaltig vor, da die Kinder und
Jugendlichen nicht nur zur Schule geschickt werden,
sondern gesundheitlich und psychisch durch die
Sozialarbeiterin, die Lehrkräfte und externe
Fachpersonen, wie Ärzte, betreut werden.
Die sechs Lehrkräfte und die Sozialarbeiterin sind
sehr kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und
sind für die Schüler wichtige Bezugspersonen, da diese
zu Hause oftmals nicht genügend Aufmerk-samkeit erhalten.
Gut aufgebaut ist auch die Abklärungsarbeit bevor ein
Kind überhaupt in das Ausbil-dungsprogramm aufgenommen
wird. So kann sich das Kinderhilfswerk grösstenteils vor
Betrug und Missbrauch schützen und die Unterstützung
denjenigen gewährleisten, welche diese auch benötigen.
Durch das Praktikum bei Meisha Mema habe ich sehr
viel Wertvolles für meine künftige Berufstätig-keit,
aber auch mein Leben gelernt. Im Klubhaus war ich bis
zur Ankunft zwei weiterer Praktikantinnen während zwei
Monaten die einzige Ausländerin und somit auch die
einzige Weisse. Zum ersten mal lernte ich das Gefühl
kennen, sich von allen um sich herum deutlich zu
unterscheiden und ständig be-trachtet zu werden. Durch
dieses Erlebnis kann ich nun sehr gut nachvollziehen,
wie sich Menschen anderer Kulturen in meiner Heimat
fühlen. Von grosser Wichtigkeit ist, dem Gegenüber
unabhängig von seinem Aussehen und seiner Herkunft mit
Respekt zu begegnen und die Meinung des anderen ernst zu
nehmen. Das Zeigen von Verständnis und
Kompromissbereitschaft erleichtern die Zusammen-arbeit
mit anderen ungemein.
Ich habe erfahren, wie man durch Geduld und
Innovation Kinder für unglaublich vieles begeistern kann.
Wichtig dabei ist, ihnen genügend Zeit zu lassen und
ihnen Vertrauen zu zeigen. Kinder brauchen sehr viel
Aufmerksamkeit und Zuneigung. Viele von ihnen reagieren
negativ auf Unterdrucksetzung oder Überforderung und
sind sehr sensibel.
Die wichtigste Erkenntnis aus meiner Praktikumszeit
ist, dass ich niemals in der Lage sein werde, allen
Menschen in einer schweren Lebenssituation helfen zu
können. Ich bin mir bewusst geworden, dass ich immer
wieder Menschen begegnen werde, denen ich keine Hilfe
anbieten kann. Solange ich aber dort helfe, wo ich die
Möglichkeit dazu habe, kann ich einzelnen Menschen zu
einer Verbesserung beitragen und ich bin der Meinung,
dass jedes Menschenleben dies wert ist.
Die Kinder, Lehrkräfte, Praktikanten, Leiter und
übrige Mitarbeiter von Maisha Mema habe ich sehr in mein
Herz geschlossen und es haben sich wunderbare
Freundschaften ergeben, welche ich auf jeden Fall
pflegen werde.
Informationen zum Kinderhilfswerk unter
www.maishamema.org
Mathias
Tödtli, ende
2001
Matthias Tödtli verbrachte Ende 2001, zwei Monate bei uns.
Er lässt uns an seinen Eindrücken teilhaben.
Polo
Hofer hat einen Song ("Hopp Schwiiz"), wo einige
Textpassagen lauten: "Im Land vo Chäs u Brot u Anke,
söu kene säge, es pass ihm nid. Lue doch nume all
die Banke, die giits ou nid wäge nüt. Hie isches
suber hie tuet me schaffe..."
Seit
einer Woche bin ich nun schon hier in Nairobi (Kenia) bei
Marianne und Jonny. Und was der Herr Hofer so über die
gute alte Schweiz singt, stimmt. Das ist mir hier wieder mal
so richtig bewusst geworden. Gerne lasse ich Euch teilhaben
an meinen ersten Eindrücken während meinen ersten
Tagen hier.
Am
Flughafen von Nairobi werde ich von Marianne und Jonny und
ihrem Taxifahrer abgeholt. Das Taxi (Windschutzscheibe kaputt,
verbeult) bringt uns auf asphaltierten und weniger asphaltierten
(ist eher die Mehrzahl) Strassen weg von der City ins Quartier
"Doonholm". Unterwegs steigt der Fahrer aus, um
das rechte Vorderrad wieder ein wenig anzuschrauben. Besser
jetzt als bevor etwas passiert, oder? Wir kommen gut am Zielort
an, dem Zuhause von Marianne und Jonny und ihrer Grossfamilie,
und werden vom Nachtwächter (bewaffnet mit Pfeil und
Bogen) begrüsst. Ich kann mein Zimmer beziehen und schlafe
erst mal aus. Die ersten 2 Tage verbringe ich mit Akklimatisieren,
Kennenlernen der 24 Kinder (es sehen nicht alle gleich aus!),
die hier leben und meiner ersten Fahrt mit einem "matatu".
Das ist ein Vielpersonentaxi, wo jemand, der Platzangst hat,
es schwer hat. Hier dauert alles ein wenig länger als
normal, als Beispiel sei die tägliche Dusche (ein Kübel
kaltes Wasser) erwähnt. Hast Du diese Erfahrung auch
schon gemacht? Eine Hand hält die abgeschnittene Pet-Flasche
als Wasserschöpfgerät, mit der anderen Hand ist
Einseifen angesagt. Liebe Freunde in der CH, freuet Euch an
Eurer täglichen Dusche!
Am
Dienstag bin ich schliesslich in die Soweto-Slums mitgegangen.
Dort betreibt MASEMI ein Clubhaus (besser gesagt Hütte),
eine Art Begegnungszentrum, wo die Kinder spielen, singen,
auf den Schulunterricht vorbereitet werden usw. Denn nur wer
Geld hat, kann seinen Kindern eine Schulbildung ermöglichen.
Plötzlich war ich der Lehrer in Mathematik und Englisch.
Tja, so schnell kann ein Karrieresprung (oder aber -Rückschritt...?)
gehen. Da im Moment die Regenzeit ist, regnet es logischerweise
recht häufig. Und das heisst dann, durch Abfall, Schlamm
und Abwasser zu waten (die Schuhe und Hosen sehen nachher
auch dementsprechend aus). Diese ärmlichen Wohnverhältnisse
haben mich beeindruckt. Und vor allem, die Kinder schenken
mir trotz ihrer misslichen Lage ein Lachen. Sie sind dankbar,
dass sie etwas lernen können. Sie berühren immer
wieder meine weissen Unterarme. Sie sind lernwillig. Sie sind
aber auch sehr lebendig und singen gerne. Und es hätte
noch viel mehr Kinder, die erreicht werden könnten- vielleicht
mit Deiner Unterstützung?