Daniel's Tagesbuch  

Daniel Jau und eine Kollegin (Manuela (Mänälä) Honegger) verbrachten im Juli 2003 vier  Wochen bei uns. Daniel lässt uns an seinen Eindrücken teilhaben…

 

07.07.03

Erster Tag im Soweto Slum, der absolute Horror für einen Europäer.

Etwa eine halbe Stunde Fussmarsch entfernt von unserem Heim, liegt das Soweto Slum, das für Marianne als schön gilt. Mänälä verträgt die Armut hier besser als ich, Sie ist das von Ihrem Indien Trip her gewohnt. In Kenia leben sehr viele Menschen in Slums. Mit Slum ist ein kenianisches Armutsviertel gemeint. Die Kinder spielen vor den Blechhütten im Abfall, die Abwasserkanäle, die direkt vor den Häusern verlaufen, stinken grässlich. Die Menschen hier sitzen stundenlang vor Ihren Hütten und schauen in die Welt hinaus.

Im Klubhaus soll ich ein Schrank, ein Tisch und ein Zaun reparieren.

Hilfsmittel stehen mir hier keine zur Verfügung. Es muss trotzdem irgendwie gehen. Mit grosser Motivation kann man bekanntlich vieles erreichen. Den heutigen Nachmittag verbringen wir mit ca. dreizehn Slumkindern. Mänälä und ich zeigen Ihnen wie Brennball funktioniert. Es ist für mich wunderschön zu sehen, dass die Kinder eine riesen Freude an diesem Spiel haben. Weit und breit sind wir beide hier die einzigen  ( Muzungus ), das heisst übersetzt  (weisse Menschen.) Von den Kenianern werden wir genau gemustert. Das Gefühl angeschaut zu werden ist irgendwie beunruhigend. Die weisshäutigen Menschen distanzieren sich hier sehr stark von den schwarzen Menschen. Viele Muzungus wohnen im Westland von Kenia, dem wohlhabenden Teil von Nairobi. Wir besuchen die Slumklinik, oder besser gesagt den Slum Sanitätsposten. Hier sitzen wir stundenlang herum, bis wir Beschäftigung kriegen..................

Für europäische Verhältnisse geht in Kenia alles sehr langsam voran.

 

08.07.2003

Ein weiterer Tag im Soweto – Slum, es ist schon  viel weniger schlimm, die Lebenssituation dieser Menschen einordnen zu können.

Man lernt mit der Armut umzugehen. Wir arbeiten in der Slumklinik.

Reinigen der Patientenzimmer ist angesagt. Jahrelang wurde hier nicht geputzt. Es ist hier etwa so schmutzig wie auf einer Schweizer Baustelle. Den anfallenden Abfall, egal welcher Art, verbrennen die Leute einfach vor dem Haus. Als Brandbeschleuniger wird Kerosin verwendet. Habe Biskuits erhalten, die ich den Kindern weiter verschenke. Als die Kids verstehen, dass ich Ihnen etwas schenken will, rennen sie wie wilde Tiere auf mich zu. Ein Nachtwächter der Klinik demontiert vor meinen Augen am benachbarten Slumhaus ein Stück Eisendraht, das er zur Reparatur seines Wagens gebraucht, ich kann diese Aktion nicht verstehen......................

Heute befreie ich das Soweto Klubhaus ein wenig vom herumliegenden Abfall. Morgen werden wir versuchen den Zaun des Vorgartens zu reparieren. Die Slumkids sind äusserst anhänglich, sie versuchen stetig mich zu halten und mich in den Arm zu nehmen. Hier merke ich sehr gut, dass diesen Kindern die Liebe fehlt, die für einen jungen Menschen von so grosser Bedeutung ist. Mittlerweile kann ich mir nicht mehr so recht vorstellen, an so einem Ort Entwicklungshilfe zu leisten, die Leute hier haben einfach wirklich nichts. Man muss hier aus dem Nichts etwas machen. Einfachste Probleme zu bewerkstelligen wird an so einem Ort zur Tortur, da keine Grundlagen vorhanden sind, auf die man aufbauen könnte.

Dennoch sind die Leute hier sehr glücklich, ja viel glücklicher als so mancher Europäer. Das grösste Problem ist, dass viele Afrikaner sagen: „Es muss so sein, Gott will es so.“ Sie können nicht genug Motivation aufbringen um aus ihrer Misere herauszukommen. Es ist auch nicht erstaunlich, bei dem was die Leute hier verdienen.

Für mich ist die psychische Belastung sehr gross. Eigeninitiative ist gefragt, sonst passiert gar nichts. Das heutige Mittagessen im Slum kostet umgerechnet ca. sechzig Rappen inkl. einem halben Liter Cola.

Das durchschnittliche Monatseinkommen eines kenianischen Arbeiters beträgt ca. 200 Fr.

 

09.07.2003

Reparatur des Zauns im Soweto Klubhaus ist angesagt. Für einen Europäer der absolute Horror. Das für die Reparatur benötigte Werkzeug, suchen wir in etwa drei Stunden im Slum zusammen.

In einer Schule bekommen wir die benötigten Dinge. Die Werkzeuge werden selbstverständlich ausgeliehen, die Beschaffung dieser Werkzeuge wäre viel zu teuer. Am Abend des gleichen Tages sind wir immer noch nicht fertig mit dem Zaun, leider glauben mir die Afrikaner nicht, dass sie mehr Zement verwenden müssen, um die Pfosten stabil einmauern zu können. Es dauert eine halbe Ewigkeit, bis die angerührte Masse hart geworden ist. Am Abend wird der Zaun  an die Hauptmasten befestigt. Als ich mit einem kenianischen Betreuer Holz für die Hauptmasten des Zauns hole, rufen mir die kenianischen Männer laut zu, sie können es kaum fassen, dass ein weisser eine Tätigkeit ausübt. Es ist unvorstellbar, diese Armut, diese Hoffnungslosigkeit und diesen Kampf um Nahrung mit ansehen zu müssen. Mit den Kenianern den Zaun zu reparieren, ist äusserst mühsam, am liebsten wird zugeschaut. Sogar im Handwerkerladen des Slums sind fast ausschliesslich Frauen anzutreffen. Bin überzeugt, manchen von unseren emanzipierten europäischen Frauen, würde dieser Anblick grauen.

 Die Masse bekommt bereits Risse. Wenigstens ist der Zaun stabil und steht gerade. Heute finde ich im Klubhaus  zwei kleine, farbige Bälle. Jetzt kann ich mit den Kids Ballspiele machen, was ihnen grosse Freude bereitet. Es ist ein wunderbares Gefühl diese Kids lachen zu sehen. Auch scheint heute mal die Sonne. Immer wieder halten sich die Kids an mir fest. Ich hebe mehrere von ihnen hoch, es sind Knochengerüste. Viele Kinder sind nicht satt, manche Familien hier können sich nur eine Mahlzeit pro Tag leisten.

10.07.2003

Heute werden  wir mit der Reparatur des Zauns des Soweto Klubhauses fertig. Das Ergebnis ist für mich einigermassen zufrieden stellend. Zum Mittagessen gibt’s heute wie immer, Reis mit Bohnen und eine Flasche Cola. In der Soweto Krankenklinik putzen wir heute Morgen eine Runde weiter. Ich habe das Gefühl, dass in diesen Räumen noch nie geputzt worden ist. Das Wort Hygiene scheint den Leuten hier ein Fremdwort zu sein. Zwei kenianische Männer bringen es fertig, uns eine Stunde beim Fensterputzen zu beobachten. Das Essen im Heim von Marianne und Jonny ist super, heute gab es so eine Art Risotto. Bin sehr froh, dass ich mit Mänälä über all die Probleme hier reden kann..................................

Es ist nicht einfach, die gesehenen Dinge zu verarbeiten.

Am Abend, wenn wir den ca. 4,5 Kilometer langen weg vom Slum zurück ins Heim antreten, kreuzen dutzende von Afrikanern unseren Weg. All diese Leute gehen zu Fuss von ihrem Wohnort zur Arbeit.

Langsam aber sicher gewöhne ich mich an den Dreck und die Umstände im Slum. Es ist eine tolle Erfahrung für einmal selbst Ausländer zu sein, glaube, das würde so manchem Schweizer gut tun.

Auch weiss ich mittlerweile, wie schön das Leben in der Schweiz ist.

Habe das Gefühl, dass sich viele Schweizer ihre Probleme selbst machen. Die Zeit vergeht wie im Fluge.

 

11.07.2003

Am Morgen sind wir in der Slum- Klinik beschäftigt. Wir bekommen den Auftrag, verschiedene, uralte Flaschen zu reinigen. ( Mit kaltem Wasser.) Wir entscheiden uns, Wasser auf dem Gasherd zu kochen, damit die Flaschen nachher auch einigermassen sauber werden. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen sie dazu verwendet werden, um neue Medikamente darin zu verstauen.

Mir wird heute bewusst, wie eintönig das Leben der Kids hier ist. Ich hoffe, dass Mänälä und ich ein wenig Abwechslung in den Alltag der Kids bringen. Es ist wunderschön, die Kids wegen uns lachen zu sehen. Ich versuche nun auch, sie so viel als möglich zu berühren, um ihnen etwas Geborgenheit zu geben, wenn dies hier überhaupt möglich ist. Mittlerweile sehne ich mich nach einer Tafel Schweizer Schokolade und einem guten Stück Fleisch. Die meisten Afrikaner in der mittleren und unteren Klasse essen meistens ( Ugali ) Maisfladen und Bohnen. Hier ist weit und breit nichts zu sehen von der vielseitigen Kost wie wir sie kennen.

Ein weiteres markantes Erlebnis mit einem Slumkind: Das Kind fährt mir durch meine mittlerweile etwas längeren, sehr schmutzigen Haare. Das Kind sagt zu mir: „ Deine Haare sind sehr sauber.“

 

12.07.2003

Heute soll der grosse Filmtag im Soweto Klubhaus stattfinden. Das einstudierte Musical der Kids sollte verewigt werden. Die Betreuer von Masemi haben alles sorgfältig geplant. Um elf Uhr mittags sollte die Vorstellung beginnen. Doch wie könnte es für dieses Land anders sein, wenn es darum geht etwas zu machen, die Filmer liessen die aufgeregten Kids nämlich im Stich. Das Filmerteam hatte zwei Kilometer vor dem Slum eine Autopanne. Meiner Meinung nach stinken die schon fast vor Bequemlichkeit. Vor zwei Tagen fuhren sie schon mit ihrem Jeep im Slum vor. Wäre ja schliesslich der Weltuntergang, wenn man ein paar Schritte zu Fuss gehen müsste. Eines der Kinder hatte heute einen Schwächeanfall, wir befürchten, dass das die Folge von der enormen Enttäuschung ist, weil die Filmer nicht erschienen. Das ist eben Afrika: “Wenn nicht heute, dann morgen, oder gar nicht.“

Heute brachten wir den Kindern das Sitzballspiel bei, sie hatten einen riesigen Spass. Am Samstagabend singen Marianne und Jonny mit den Kindern. Das ganze mit instrumentalischer Begleitung. Fast alle Kinder tanzen, auch Mänälä und ich werden mitgerissen. Es ist eine bunte, fröhliche Versammlung.

 

13.07.2003

Heute ist ein sehr erholsamer Tag. Am Morgen besuchen wir den Gottesdienst. Ich finde den Gottesdienst hier viel fröhlicher als in der Schweiz. Finde heute sogar Zeit um auf den nahe gelegenen Markt zu gehen.

Nirgends gibt es hier geniessbare Schokolade. Eventuell bin ich auch zu verwöhnt von der Schweiz. Am Nachmittag mache ich mich daran, meine schmutzige Wäsche von Hand zu waschen. Mänälä kann es selbstverständlich nicht lassen, Sprüche zu machen. Dies nehme ich Ihr sicherlich nicht übel. Mit kaltem Wasser viel Schrubben und etwas Waschpulver wird gewaschen. In Begleitung der hier omnipresenten afrikanischen Musik, bereitet mir das Waschen sogar Freude.

Mänälä und ich überlegen uns, eine Patenschaft für ein Heimkind zu übernehmen. Den restlichen Nachmittag verbringen wir mit den Heimkids von Marianne und Jonny.

Die Matatufahrt ist für europäische Verhältnisse Horror. Ich wundere mich, dass es hier auf diesen Strassen nicht alle zehn Sekunden einen Unfall gibt. Morgen gehen wir in die Stadt, wobei es in Nairobi nicht sehr viel Sehenswertes zu bestaunen gibt. Nairobi ist eine Geschäftsstadt, die mir überhaupt nicht gefällt. Wenn man bedenkt, dass Nairobi ca. sechs Millionen Einwohner hat, ist die Situation hier aber nicht erstaunlich.

 

14.07.2003

Wir besuchten heute die Stadt Nairobi. Diese Stadt ist riesig gross. Hier hat es ein riesiges Verkehrsaufkommen, über die Strasse zu gehen, ist mit erheblichen Risiken verbunden. Der Matatufahrer fuhr ausserhalb der Stadt mit etwa neunzig Kilometer pro Stunde, für die hier herrschenden Strassenverhältnisse, der blanke Wahnsinn. Als Weisser wird man hier sehr viel angesprochen, aus irgendwelchen Gründen, die weisse Hautfarbe steht hier allgemein für „Geld.“

Manchmal habe ich das Gefühl, mir steht das Wort Geld am Kopf geschrieben. So viele Leute wie hier, habe ich noch nie in meinem Leben auf einem Haufen gesehen. Ebenfalls ist Nairobi sehr schmutzig, also nichts für den ordnungsliebenden Schweizer.

Nairobi ist eine Geschäftsstadt, man geht nur hin, wenn es nicht anders geht. In einem städtischen Restaurant assen wir vorzüglich zu Mittag. Alles inkl. für etwa zwölf Schweizer Franken. Fotografiert habe ich hier leider nur sehr wenig, es ist verboten, öffentliche Gebäude zu fotografieren. Deshalb verwendete ich meine Kamera äusserst vorsichtig. Verspürte nur wenig Lust, einem korrupten kenianischen Polizisten, ein halbes Vermögen abzugeben.

Im Allgemeinen war ich sehr froh, als wir den Heimweg antraten.

 

15.07.2003

Ein Tag, den ich in meinem ganzen Leben nie mehr vergessen werde.

Julius der eine Betreuer von Maisha Mema kommt heute ca. eine Stunde zu spät. Wir sollten die 5km vom Heim zum Slum nicht alleine zurücklegen, da die Gefahr zu gross wäre, dass wir ausgeraubt würden. Etwa 500m vor dem Slum sehen wir ein totes, neugeborenes Baby am Strassenrand. Wir können es kaum fassen. Es wurde von seiner Mutter am Strassenrand geboren. Da liess sie es einfach liegen. Dies geschieht in Nairobi mehrmals täglich. Oftmals führen Frauen ihre Abtreibungen mit Colaflaschen oder Kleiderbügeln selbst durch.

Dies alles um Kosten zu sparen. Auch leben in Nairobi unzählige Kids auf der Strasse, ohne Eltern und ohne zu Hause. Für uns Europäer unvorstellbar. Die heute geschehenen Ereignisse kann ich zwölf Stunden später immer noch nicht fassen. Vielfach werden neugeborene Kids von ihren Müttern einfach in WC- Anlagen ertränkt. Für diese Mütter gibt es angesichts ihrer Lebenssituation oftmals keinen anderen Ausweg. Den Rest vom heutigen Tag verbrachten wir mit der Reinigung der Slum-Klinik. Ungeziefer soweit das Auge reicht, hier lebt das Ungeziefer auch in Bereichen die von mir aus gesehen keimfrei sein sollten. Der Müll den wir hier zusammenwischen entspricht etwa dem Tagesabfall von einer Werkstatt in der Firma Kentaur. Ich soll eine Steckdose befestigen, jedoch sind nirgends Schrauben zu finden. Also behelfe ich mir mit Isolierband. Am späteren Nachmittag spielen wir mit den Kids vor dem Slum, binnen weniger Minuten stehen ca. vierzig Kids im Kreis um uns herum. Es gelingt uns mit ihnen Spiele zu machen, bei denen die meisten aktiv mithelfen können.

 

16.07.2003

Heute besuchen wir in Nairobi die Caritas. Wir werden von einem Schweizer, der früher für die UNO arbeitete zum Essen eingeladen.

Das Essen schmeckte uns vorzüglich. Heute betreut Eugen hier in Nairobi ein Flüchtlingsprojekt. Kenia muss trotz seiner noch nicht festgelegten Flüchtlingspolitik, flüchtende aus Somalia, Uganda, Tanzania usw. aufnehmen. Bei Eugen können die Flüchtlinge PC Kurse, Nähkurse, usw. besuchen. Auch stellen die Leute seiner Institution, Prothesen für Kriegsverletzungen her. Sie sind erst noch die Qualitätsbesten des Landes. Wir sehen in diesem Stadtteil den Präsidentenpalast Kibakis und viele grosse Villen. Neben den „Reichenviertel“ säumen hier ebenfalls unzählige, riesige Slums die Strassen, vor den Slumstädten befinden sich riesige Abfallberge. Hier liegen Armut und Reichtum unglaublich eng zusammen. Im Abendverkehr verlassen wir diesen Stadtteil Nairobis Richtung Stadtteil Old Doonholm. Dieser Verkehr ist unglaublich, auch die Abgase sind kaum zum Aushalten für die Alpenluftgewöhnte Schweizernase. Die Autos sind hier Zentimeterweise aneinander gereiht, mittlerweile verstehe ich auch, warum die Autos hier alle Kuhfänger haben. Insgesamt war heute ein sehr lehrreicher Tag.

Von der Schweizerin, die für die Caritas arbeitet bin ich überhaupt nicht überzeugt, sie macht sich hier meiner Meinung nach ein schönes Leben mit Dienstmädchen usw. und dies auf Kosten der zum Teil mausarmen kenianischen Bevölkerung.

 

17.07.2003

Den heutigen morgen verbringen wir wieder in der Slumklinik.

Heute gelingt es mir ein paar Fotos zu machen. Hier in dieser Klinik ist von keinem einzigen der kenianischen Männern, seine genaue Funktion auszumachen. Die Mütter, die im Slum wohnen, tun mir unendlich leid. Sie müssen fast alle anfallenden Arbeiten alleine erledigen. Das gilt für die Kindererziehung, wie auch für alle anfallenden Hausarbeiten. Ihre Männer sind oft nirgends aufzufinden.

Oftmals ist es so, dass sich die Männer ihre Zeit mit übermässigem Alkoholgenuss vertreiben. Den heutigen Nachmittag, verbringen wir mit den Slumkindern auf der Wiese. Ich finde, dass sich die Kinder sehr schnell an uns gewöhnt haben. Es ist für mich wunderschön, die Kinder lachen zu sehen und zu merken, dass ihnen unsere Spiele, die wir ihnen zeigen, grossen Spass machen. Für mich ist jetzt das Ziel meines Afrika Aufenthalts erreicht. Wir müssen jetzt nur versuchen, unser Ding so weiter zu ziehen. Auch merke ich, dass diese Arbeit mit den Kindern sehr anstrengend ist. Das Land Kenia fasziniert mich immer mehr, ich glaube, ich werde diesen Sommer mein Leben lang nicht mehr vergessen.............................

 

18.07.2003

Am Morgen sind wir wieder im Slumkrankenhaus beschäftigt. Unser Auftrag, ist es die Küche des Personals zu reinigen. Uns scheint es, als wäre dies so ziemlich der schlimmste Raum im Haus. Ich glaube, dass dieser Raum seit der Erstellung des Hauses vor zehn Jahren nie geputzt wurde. In den Schränken, zwischen den Tassen und Tellern kommen jenste unhygienische Dinge hervor. Unter anderem auch zirka fünf Zentimeter grosse Kakerlaken. „ Di gueti Mänälä isch üsserscht schockiert u neigt zu Schreiattacke.“  Mir gelingt es allerdings auch nicht so recht, meinen Ekel vor diesen süssen Tierchen zu verbergen. Besonders weil dies eine Klinik sein soll. Die netten Krankenschwestern lachen nur über unsere Reaktionen. Mir kommt es so vor, als würden sie die Kakerlaken hier als Haustiere halten. Am Mittag ist die Küche ganz zu unserer Zufriedenheit hergerichtet. Auch wissen wir mittlerweile, was die vielen Männer, die immer uns Haus herum sind für eine Funktion haben. Die meisten von Ihnen sind Wachmänner. Meiner Meinung nach verbringen sie Ihren Tag mehrheitlich mit herumsitzen. Am Nachmittag spielen wir wieder mit den Kids vor dem Slum. Es freut mich wahnsinnig, die aufgestellten Kids zu sehen. Ein kenianischer Mann kommt zu uns und bedankt sich bei uns, dass wir den weiten Weg auf uns genommen haben, um unsere Zeit mit den Kindern zu verbringen. Es ist wunderschön zu sehen, dass wir von den Kenianern bemerkt werden.

 

19.07.2003

Den heutigen Samstagmorgen verbringen wir wieder mit den Soweto – Kids. Wir machen eine Art Postenlauf  mit Ihnen. Heute Abend veranstalten sie im Kinderheim bei Marianne und Jonny einen Tanzabend. Die Kids sind sehr ausgelassen und amüsieren sich köstlich. Ebenfalls muss auch ich das Tanzbein schwingen, meine Tanzkünste bringen mir sogar einen Rundensieg im Wettbewerb ein.

Wobei ich zugeben muss, dass ich nicht etwa wegen meiner Tanzkorrektheit gewann, sondern weil sich die Kids ab meinen Tanzblödeleien fast kranklachten. Bin nämlich milde ausgedrückt ein äusserst schlechter Tänzer. Mänälä und ich geben ebenfalls einen Tanz zum Besten. Glaube, die Gute regt sich ein wenig auf, weil ich Ihr dauernd über die Beine stolpere. Mein verwöhnter Magen hat sich immer noch nicht ganz an das Afrikanische essen angepasst. Die Leute hier essen fast kein Fleisch, dafür umso mehr Bohnen. Finde, dass es noch keinem geschadet hat, eine Weile auf Fleisch zu verzichten. Besonders nicht mir. Merke hier wie göttlich meine Mutter zu Hause jeden Tag kocht. Hoffe sehr, dass wenn ich wieder zu Hause bin, dass ich Ihr essen wieder mehr schätzen werde. Nehme mir vor, möglichst viele Erfahrungen von hier mit in die Schweiz zu nehmen.

Wir haben in der Schweiz ein wahres Paradies, nur wissen wir es nicht zu schätzen. Glaube, dass viele kleine Dinge die wir als Probleme betrachten gar keine sind.

 

20.07.2003

Vorhin erschrak ich, als ich das Datum schrieb, die Zeit vergeht wie im Fluge. Heute waren wir wieder in der Kirche. Die Pastoren behandelten das Thema Abtreibung, der Gottesdienst war wieder äusserst lebendig. Mänälä und ich nehmen uns heute Zeit, für ein gemütliches Mittagessen. Wir essen Pasta mit Tomatensauce. Es schmeckte vorzüglich. Am heutigen Nachmittag besuchen wir die Mutter von  George, einem Jungen aus dem Heim. Sie wohnt in einem 100000 Seelen-Slum. Hier ist es noch viel schlimmer als in Soweto, da dieser Slum viel grösser ist und umso mehr Bewohner hat. Am Rande dieses Slums türmen sich Abfallberge, ein Mann sucht darin nach etwas essbarem. Es ist wahnsinnig eng zwischen diesen Blechhütten, eine Person von meiner Grösse kann an den meisten Stellen nicht aufrecht gehen. Auch liegt ein beissender Geruch von Fäkalien in der Luft. Die Bewohner rufen uns nach. Wir sind hier weit und breit die einzigen weissen. Einige betrunkene Afrikaner kreuzen unseren Weg. Das Haus in dem die Mutter von Georges wohnt ist etwa 4*4 Meter gross. Das Inventar besteht aus einem Schrank, einem Bett und zwei Stühlen. Wir sind hier weit und breit die einzigen weissen Menschen, dementsprechend fallen wir auf. Das Dach des Hauses ist durchlöchert. Der Boden ist aus feuchtem Lehm. Es liegt ein beissender Uringeruch in der Luft. Für mich isst es absolut unvorstellbar hier zu leben. Einmal mehr wird mir bewusst, dass ich auf der Sonnenseite der Erde leben darf. Die zwei etwa drei jährigen Cousins von Georges essen gerade eine Schale Ugali: „ Ugali ist eine Maispampe.“ Der Onkel von Georges verdient 1600 Schilling, etwa 32 Fr. pro Monat. Er arbeitet sieben Tage in der Woche. Als wir das Haus verlassen, schiessen mir folgende Gedanken durch den Kopf : „ Das darf doch alles nicht wahr sein, Herrgott lass mich aus diesem Traum erwachen.“ Den Heimweg laufen wir auf dem Bahngeleise, das ist hier kein Problem, es fährt ja nur ein Zug pro Stunde.

 

21.07.2003

Heute gehen Mänälä und ich mit Florence, einer kenianischen Betreuerin, der Mädchen, die etwa achtzig Kilometer von uns entfernten „ fourteen Falls“ anschauen. Der heutige Tag ist sehr erholsam und bringt uns ein wenig auf andere Gedanken. Die Matatufahrt bis zu den Wasserfällen, ist der absolute Horror. In Kenia gibt es auf den Landstrassen keine Geschwindigkeitsbeschränkungen.

Die Fahrzeugbegleiter, die unter anderem auch die Aufgabe haben, das Geld einzuziehen, befinden sich  während der Fahrt mehr ausserhalb des Fahrzeuges, als in dessen Innenraum. Endlich bekommen wir etwas von diesem so wunderschönen afrikanischen Land zu sehen. Ich empfinde es hier als äusserst flach. Auch sehen wir Kaffeeplantagen, Ananasplantagen usw. Hier auf diesem fruchtbaren Land wachsen alle Arten von Früchten und Gemüse. Sehr viele Einheimische betteln bei uns um Geld. Es ist unvorstellbar wie man als hellhäutiger Mensch hier auffällt. Für die Leute hier bedeutet die weisse Hautfarbe: „Geld.“ Das ist auch verständlich, wenn man bedenkt, was die Leute hier von Europa mitbekommen. Im Vergleich zu Ihnen, haben wir ja auch wirklich viel Geld.

Die Wasserfälle sind ein imposantes Naturschauspiel. Die Umgebung hier ist wegen des Wassers wegen äusserst pflanzenreich. Denke mir, dass dieses Time Out heute sehr wichtig für uns ist, da die Arbeit im Slum sehr anstrengend ist. Es erfordert unglaublich viel Kraft den Tag mit den Kindern zu gestalten. Ich bewundere die kenianischen Betreuer sehr. Glaube, dass die Arbeit mit Kindern allgemein sehr anstrengend  ist, egal in welchem Land. Gleichzeitig ist es aber ein unglaublich schönes Gefühl, die Kids lachen zu sehen.

 

22.07.2003

Bin sehr müde, heute war wieder ein sehr anstrengender Tag im Soweto Slum. Der Tag vergeht ohne weitere Vorkommnisse.

Mänälä unterrichtet in einer Slum- Schule. Ich helfe ihr, so gut ich kann. Die Kinder haben eine katastrophale Heftführung. Ihre Lehrer machen nicht gerade einen motivierten Eindruck, was bei den vorhandenen Mitteln durchaus verständlich ist. Ich nehme ebenfalls am Englischunterricht  von Mänälä teil. Auch habe ich Hausaufgaben zu erledigen. Das tut mir sehr gut. Die Schulbänke in den Schulzimmern zerfallen fast von selbst. Das Lehrerzimmer hat etwa die Grösse eines Schweizer Badezimmers. Darin befinden sich gerade Mal ein Schreibtisch und ein ganzer Haufen zerfetzter Lehrmittel.

 

23.07.2003

Den heutigen Morgen verbringen wir in der „ Sunshine School.“ Dieser Morgen  war ein voller Erfolg. Ich konnte den Kids einige Spiele zeigen, die sie auch sofort toll fanden. Für mich war es eine echte Herausforderung im meinem schlechten Englisch Erklärungen abzugeben. Die Kids begreifen die Spiele erstaunlich schnell. Ihre Lehrer hatten hier schon mehr Mühe, sie brauchten für meine Spiele einige Erklärungen mehr als die Kids. Der Klassenlehrer setzte sich sofort zur Ruhe, als er sah, dass ich die Klasse führen kann. Den ganzen Morgen machte ich mit der fünften Primarschulklasse Turnunterricht. Dies bedeutet für den Lehrer ca. drei Stunden Pause.

Mittlerweile kann ich verstehen das die Lehrkräfte nicht mehr Motivation an den Tag legen. Das tolle Gefühl macht sich in mir breit, dass ich den Kids drei  interessante Stunden gegeben habe. Drei Stunden, in denen ich hoffe, dass sie ihre Alltagssorgen ein wenig vergessen konnten. Am Schluss des morgens bedankten sich die Kids bei mir mit einem herzlichen  „Thank you Daniel“ Meine Gefühle in diesem Moment sind nicht in Worten wiederzugeben.

Für meine Empfindungen gehen die Kids ziemlich brutal miteinander um. Ich muss sie sehr oft verwarnen, weinen tut jedoch äusserst selten eines von ihnen. Ihre Umgangsformen sind sicher auch in Zusammenhang mit Ihrem harten Alltagsleben zu bringen.

 

24.07.2003

Am heutigen Morgen sind Mänälä und ich wieder in der Sunshine School. Ich gebe der dritten Klasse Turnunterricht. Wir veranstalten einen Postenlauf. Zum Glück schaffe ich es, mit meinem schlechten Englisch den Lehrern die Posten zu erklären. Die Arbeit hier mit den Kids macht mir grossen Spass. Langsam, aber sicher, glaube ich daran, dass unser Kenia- Aufenthalt nicht umsonst ist. Mänälä und ich haben unseren Platz gefunden. Morgen werde ich mit derselben Klasse turnen. Ein Schockerlebnis bietet der heutige Tag dennoch. Einer der Lehrer gibt mir sein Monatsgehalt preis. 1000 Schilling im Monat. Das ergibt ein Betrag von zirka zwanzig Schweizer Franken.

Dieser Betrag reicht gerade so für eine warme Mahlzeit pro Tag. Anders gesagt bedeutet das: „hungern“. Mänälä hält heute ein Vortrag über die Schweiz. Die Kinder hören ihr aufmerksam zu. Es interessiert sie sehr, was die fremde Weisse über ihr Heimatland zu erzählen hat.

Später erzählt ein Lehrer verschiedene Dinge über Kenia. Für uns ist das natürlich sehr interessant. Kenia lebt im Gegensatz zur Schweiz, zum grössten Teil von der Landwirtschaft. Die Leute hier haben nichts. Sie sind dennoch gastfreundlicher als so mancher Schweizer.

Der Nachmittag im Soweto Krankenhaus verläuft ruhig. Wie fast jeden Tag kommen junge Kenianer/innen ins Klubhaus um zu helfen.

Es ist toll wie sich hier viele junge Leute in meinem Alter für die Slumkids einsetzen. Glaube nicht dass das in der Schweiz so ist. Warum sollte es so sein, bei uns ist diese Fürsorge anscheinend nicht nötig. Dieser letzte Satz sollte eine Anregung zum Überlegen sein.

 

25.07.2003

Den Morgen verbringen wir in unserer Sunshine School. Meine Turnstunden für die Kids verlaufen ganz zu meiner Zufriedenheit.

Besonders lustig ist die letzte Stunde mit den Erstklässlern. In Kenia geht man ab dem fünften Altersjahr zur Schule. Die Spiele, die ich den Kids zeige, begreifen sie zu meinem Erstaunen äusserst schnell. Heute bedanken sich die Lehrer bei uns für unsere Arbeit mit den Kids. Sie machen uns ein kleines Geschenk. Der eine Lehrer erkundigt sich bei uns nach einem Job in Europa. Ich merke, dass für die Kenianer wahrscheinlich Europa der heilste, reichste Teil dieser Erde ist, in dem es keine Probleme gibt. Schnell ist klar, dass wir ihm nicht weiterhelfen können. Die Kenianer müssen endlich begreifen, dass sie ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen müssen. Am Nachmittag helfe ich im Klubhaus einem Sechstklässler bei seinen Aufgaben in Mathe.

Die schulischen Kenntnisse der Kids sind meiner Meinung nach nicht gerade überwältigend. Zum Teil hängt dieser Umstand sicher auch von den nicht allzu sehr motivierten Lehrer ab. Die Kinder behandeln ihre Schulhefter zum Teil wie Abfall. Ich habe grosse Mühe, ihre Schrift zu entziffern. Ich glaube, dass auf die Heftführung in den Schulen keinen besonderen Wert gelegt wird.

 

26.07.2003

Am heutigen Samstag ist Postenlauf mit den Slumkids angesagt.

Dann um ca. zwei Uhr nachmittags ein gemütliches Mittagessen und am Nachmittag etwas relaxen. Habe mittlerweile die Kids vom Klubhaus so richtig ins Herz geschlossen. Der Postenlauf ist ein voller Erfolg. Es macht riesigen Spass, den Tag mit den Kids zu verbringen. Verspüre das tolle Gefühl, ihnen etwas von mir zu geben. Die Kids strahlen und haben an den Preisen, die sie für ihren geleisteten Postenlauf erhalten grosse Freude. Sie haben eine fast überschäumende Freude an den kleinen Naschereien. Das Wort Danke fällt abermals. Ich glaube, gleichaltrige Kinder in der Schweiz müssten etwa viermal mehr Süssigkeiten erhalten um zufrieden gestellt zu werden. Diese Kids haben wirklich nichts zu lachen, sind aber dennoch äusserst fröhlich. Von ihrem Lebensfrohsinn könnten wir Schweizer eine grosse Scheibe abschneiden. Geniesse die Zeit hier sehr, bin glücklich, trotz der grossen Anstrengungen. Werde diese Zeit in Afrika bestimmt nie mehr vergessen. Die Zusammenarbeit mit Mänälä ist toll. Sie ist eine tolle Kollegin, wir können über alles reden. Dies ist an diesem Ort und für unsere Arbeit äusserst wichtig.

 

27.07.2003

Der heutige Morgen verläuft wie jeden Sonntag hier mit dem Gang zur Kirche. Hätte mir niemals träumen lassen, dass ich jemals am Sonntag um 6.45 Uhr aufstehe, um zur Kirche zu gehen. Nach dem tollen Mittagessen, das Marianne für uns gekocht hat, veranstalten wir mit den Masemi-Kids einen Postenlauf. Dieser beinhaltet: „ Mathematik, politisches Wissen über den zweiten Weltkrieg, Wasser tragen, ein Theaterspiel spielen und für mich das lustigste, Bananen aus einem mit Wasser gefüllten Topf zu essen, ohne die Hände zu gebrauchen. Ich glaube, dass die Kids grossen Spass an unserer Veranstaltung hatten. Für mich persönlich war heute ein toller Tag. Die Rangverkündigung und Preisverteilung ist nun auch gut vorübergegangen. Bin sehr müde vom Kleiderwaschen. Selbstverständlich werden hier die Kleider von Hand gewaschen.

 

28.07.2003

Heute war ein sehr erholsamer Tag. Unser freier Montag eben. Wir gehen in die sechs Millionen Metropole Nairobi. Besuchen dort eine ehemalige Schweizerin, die seit dreissig Jahren in Nairobi lebt. Ebenfalls besuchen wir die Schweizer Botschaft. Auch geniessen wir ein paar Stunden in einem gemütlichen Cafe. Pünktlich um 12.30 Uhr erscheint die ältere Dame im Hilton Hotel. Hier sind die Sicherheitsmassnahmen erheblich verstärkt worden. Dies ist dem Bombenanschlag vor ein paar Jahren auf das Hilton zu verdanken.

Sie lädt uns prompt zum Mittagessen zu sich nach Hause ein. Ein feines Essen erwartet uns. Es gibt Chapati mit Fleisch und Salat. Die Dame ist zweiundsechzig Jahre alt. Sie ist typisch afrikanisch, äusserst lebensfroh. Auch erzählt sie uns viel aus ihrem bewegten Leben.

Sie kam damals wegen ihrem Mann nach Nairobi. Die Frau möchte unter keinen Umständen in die Schweiz zurückkehren. Hier in Afrika werden ältere Leute noch geschätzt und nicht einfach ins nächst beste Altersheim abgeschoben. Auch sei das Leben hier weniger stressig, meint sie. Wenn ich diese Frau mit einer Frau in demselben Alter in der Schweiz vergleiche, so muss ich sagen, dass wir Schweizer in diesem Alter erheblich ausgelaugter sind. Dies ist sicher unserer Lebensweise zuzuschreiben. Sicher auch dem Stress, den wir uns grösstenteils selbst auferlegen. Auch dass man jemanden, den man nicht kennt, einfach so zu sich nach Hause zum essen einlädt, ja genau diese Spontaneität und Offenheit ist so unwahrscheinlich toll an der afrikanischen Kultur. Auch die überall zu hörende Reggae-Musik zeigt die Lockerheit der Afrikaner. In diesem Monat sind mir so glaube ich, viele Dinge bewusst geworden.

 

29.07.2003

Schon ist Dienstagabend von unserer letzten Woche hier in Kenia.

Die Zeit rennt. Heute Morgen besuchen wir in der Stadt Nairobi den Massai-Markt. ( Ein riesiger Souvenirhandel auf offener Strasse.)

Die Massai sind ein unzivilisiertes kenianisches Hirtenvolk. Viele wunderschöne Holzschnitzereien und jede Menge Schmuck werden angepriesen. Wie so viele weisshäutige Menschen, werde auch ich beim Kauf meiner Afrika-Andenken übers Ohr gehauen. Für einen Holzgeschnitzten Holzelefanten bezahle ich umgerechnet zirka zwanzig Franken. Florence zeigt mir weiter vorne bei einem anderen Händler genau denselben Elefanten für zirka sechs Franken. Heute kann ich auch meine lang ersehnte kenianische Flagge erwerben.

Ich merke, dass ich im ganzen Monat nie so viel Geld ausgegeben habe, wie heute. Im Stadtteil Old Doonholm ist es recht schwierig, als Europäer sein Geld loszuwerden. Die Regeln auf dem Massai-Markt sind klar. Hier geht man als Sieger oder Verlierer vom Platz. Faire Preise sind hier ein Fremdwort. Den Nachmittag verbringen wir wieder mit unseren Kids. Heute ist es recht mühsam, da sie nicht so recht auf uns hören wollen.

 

30.07.2003

Der heutige Tag fand wieder viel zu schnell sein Ende. Den Morgen, verbrachten Mänälä und ich in der Sunshine  Schule. Mänälä bringt heute ein wenig Ordnung in die Abschlusstests der Schule. Das wäre eigentlich den Lehrern ihre Arbeit. Hier sieht man einmal mehr, wie motiviert die Lehrer sind den Kindern etwas mit auf den Weg zu geben. Bei Ihrem Lohn und der Ihnen zur Verfügung stehenden Infrastruktur ist dies auch nicht erstaunlich. Wenn man nichts hat, kann man auch keine Wunder vollbringen. Das ist ja schliesslich auch in Europa so. Mir wird je länger je mehr bewusst, was für Möglichkeiten wir in der Schweiz haben. Diese Tatsache sollten wir vermehrt nutzen. Denn uns stehen eigentlich fast alle Wege der Ausbildung offen. Etwas was eigentlich auch nicht als selbstverständlich betrachtet werden sollte, ist die Freiheit unserer Frauen, auch die Tatsache, dass sie die gleichen Möglichkeiten haben, wie die Männer. Den Kids Turnlektionen zu erteilen, macht mir grossen Spass. Am Nachmittag sind wir wieder im Klubhaus engagiert. Am Abend gebe ich der zweieinhalbjährigen Sharon das Essen ein. Es ist ein tolles Gefühl, der Kleinen beim Essen zu helfen. Das Essen im Heim ist einmal mehr vorzüglich. Es gibt Chapos mit Fleischgulasch.

 

31.07.2003

Unser Afrikaaufenthalt neigt sich leider langsam, aber sicher dem Ende zu. Ich werde fast ausschliesslich mit positiven Gefühlen nach Hause reisen können, das ist toll. Hätte nie gedacht, dass so viele neue Eindrücke auf mich zukommen würden. Werde diese nächste Woche ausgiebig verarbeiten müssen. Den heutigen Morgen verbringe ich wieder in der Sunshine Schule. Heute war ich auch noch Mathelehrer.

Das war toll. Als ich mit der fünften Klasse vom Sportunterricht komme, ist vom Lehrer weit und breit nichts zu sehen. Statt die Kinder Löcher in die Wand starren zu lassen, entschliesse ich mich spontan, ganz alleine eine Mathestunde zu unterrichten. Diese Stunde vergeht wie im Fluge. Es klappt auch wenn ich nun ganz alleine bin gegen meine Erwartungen, erstaunlich gut. Wir behandeln das Dezimalbruchsystem. Vor dem Mittagessen ist der Lehrer plötzlich wieder zur Stelle und erteilt mir den Auftrag, weitere Stunden alleine zu unterrichten. Die Kinder sind zu meiner grossen Freude vom Vorschlag des Lehrers begeistert. Ich werde mir grosse Mühe geben und sie auf keinen Fall bei Falschantworten schlagen wie die Lehrer dies hier manchmal tun. Am Nachmittag sind im Klubhaus Amerikaner zu Gast, die den Kids den christlichen Glauben näher bringen wollen. Das schnelle dialektenglisch der netten Amerikaner ist für mich nur schwer verständlich.

 

01.08.2003

Der Nationalfeiertag der Schweizer bedeutet für Mänälä und mich, dass wir in ca. vierundzwanzig  Stunden zu Hause sein werden. Bin sehr müde, habe hier in Afrika ein sehr anstrengender, aber unvergesslicher Monat verbringen dürfen. Heute verabschieden wir uns von den Kids im Klubhaus. Sie gaben für uns ein Abschiedslied zum Besten. Mir standen die Tränen zu vorderst. Ich verabschiede mich von äusserst lebenslustigen Kids, die eine sehr ungewisse Zukunft vor sich haben. Ich muss es einfach nochmals erwähnen, es war ein absolut mega, giga toller Monat. Auch von der Sunshine Schule nehmen wir heute Abschied. Zum Schluss machen wir ein grosses Ballspiel. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so ein intensives Ballspiel mitgemacht. Auch die jungen Erwachsenen, die ein wenig jünger sind als ich, sind bei diesem Spiel mit dabei. Die Kids hier sind sportlich in Topform, komme aus dem Staunen nicht mehr heraus, die haben eine unglaubliche Kondition. Mancher europäische Jugendliche könnte sich hier ein Beispiel nehmen. Mit unglaublich vielen tollen, aber auch traurigen Eindrücken, werde ich morgen dieses heruntergewirtschaftete, mit so lebensfrohen Menschen bewohnte Land Afrikas verlassen.

 

28.10.2003   -   Daniel Jau

 

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