Rundbrief  

September 2004

 
Liebe Freunde!

 

Schon lange habt Ihr nichts von uns gehört. Deshalb wollen wir Euch mit diesem Brief auch wieder auf den neusten Stand bringen. Es war schön viele von Euch zu sehen, als ich in der Schweiz war und ich habe die Ferien in Norwegen und in der Schweiz genossen.

 

Jonny ist gerade wieder in Norwegen. Er ist am Arrangieren eines Benefizkonzertes, das in einem Jahr stattfinden wird. Ein bekannter norwegischer, christlicher Sänger hat sich bereit erklärt in Stavanger gratis an einem Konzert aufzutreten. Der Reinerlös wird unserem Bauprojekt zugute kommen.

 

 

Unsere amerikanischen Freunde (Ric und Jane Taylor) haben Jonny auf Oktober für drei Wochen in die Staaten eingeladen. Er hat dort die Möglichkeit in mehreren Kirchen unsere Arbeit vorzustellen. Anfangs November kommen Taylors auch wieder nach Kenia. Ric wird dann unser Bauprojekt übersehen. Die Baupläne für die erste Phase sind seit gut einem Monat bei der Stadtverwaltung und wir warten nun auf die Baubewilligung. Die Bewilligung für den Brunnen haben wir bekommen. Dies ist nötig, denn seit langem haben wir drei Tage pro Woche kein Wasser…

News aus Soweto…

► Achtzig Kinder aus Soweto schicken wir in die Schule; nachmittags, samstags und in den Ferien trifft man diese Kinder im „Clubhouse“ an. Inmitten von Soweto mieten wir einen einfachen Holzbau mit Blechdach, der fünf Zimmer und eine Toilette hat. In den letzten fünf Jahren ist das  Clubhouse ein Zufluchtsort für die Kinder geworden. Ein Ort, wo sie jeden Tag für ein paar Stunden Kinder sein dürfen, wo sie ungestört ihre Hausaufgaben machen können, ihren  Interessen  nachgehen   dürfen (zeichnen, basteln, singen, tanzen, Fussball spielen) und  wo immer jemand ein offenes Ohr für ihre Probleme und Nöte hat. Doch langsam aber sicher platzt das Clubhouse aus allen Nähten. Wir möchten nun ein Stück Land in Soweto kaufen und unser eigenes Clubhouse bauen.

 

Clubhouse-children singing and dancing

Vor ein paar Wochen sprach ich mit der leitenden Schwester der Arztpraxis in Soweto, wo wir auch unsere kranken Kinder hinbringen. Seit einiger Zeit kann die Praxis nun auch den Aidstest durchführen. Von all den Leuten, die für den Aidstest in die Praxis kommen sind ein Viertel HIV positiv! Leider wissen wir nun auch von mehreren Mütter unserer Kinder in Soweto, dass sie den Killervirus haben. Erschreckende Zahlen und Statistiken! Manchmal fühlen wir uns so hilflos! 

Einige der Mütter unserer Kinder in Soweto gingen   nie zur Schule. Etwa vor ein paar Monaten fragte Kwame, einer unserer Mitarbeiter, die Mütter ob sie auch Lesen und Schreiben lernen möchten. Fünf Mütter kommen nun dreimal wöchentlich ins Clubhouse und sie pauken zusammen das ABC. Es ist schön zu sehen, dass diese Mütter, die nie die Möglichkeit hatten eine Schule zu besuchen, nun das Interesse haben Lesen und Schreiben zu lernen.

Receiving gifts is popular!

 

Alle Schulkinder bekamen Anfangs August ein Zeugnis. Wir beschlossen, dass wir von nun an gute Leistungen, positive Fortschritte und saubere Uniformen belohnen. In diesen Ferien hatten wir den ersten „Prize - Giving day“. Die Kinder sangen, es gab ein paar Reden, die Kinder erhielten Preise und zum Schluss gab es eine Erfrischung für alle. Sogar viele Mütter kamen und waren stolz auf ihre Kinder. Wir hoffen, dass wir die Kinder durch die Preise ermutigen können und dass sie sich in Zukunft noch mehr anstrengen. Denn der einzige Weg hier in Kenia für eine bessere Zukunft führt über gute Schulbildung.

Im Juli kam ein Team mit dreissig jungen Amerikanern für einen Missionseinsatz nach Kenia. Ein paar Tage kamen sie nach Soweto und verbrachten Zeit mit unseren Kinder. Wenn man zum ersten Mal in einem Slum ist, bekommt man Eindrücke, die man nicht so schnell wieder vergisst. Eine junge Amerikanerin meinte: „Die Kinder in Soweto erstaunten mich. Ich war so beeindruckt von ihrer Bereitschaft das Wenige, das sie haben, zu teilen. Ich realisierte wie viel wir in Amerika einfach als selbstverständlich voraussetzen. Ich denke an all die Zeiten, wo ich mich über Kleinigkeiten beklage und dann realisiere ich, dass diese Kinder nichts haben und sich gleichwohl nicht beklagen. Sie sind so zufrieden mit dem Wenigen, das sie haben und sie sind immer so freundlich und aufgestellt. Es ist einfach zu sehen, welchen Eindruck das Clubhouse an den Kindern hinterlässt. Es ist ein grossartiger Ort, wo die Kinder Liebe erfahren und  positiv beeinflusst werden.“

Workers and volunteers in Soweto

News von unserer Grossfamilie in Doonholm

Kim, der Hausvater arbeitete vier Jahre bei uns, doch im Februar kündigte er, da er eine neue berufliche Herausforderung suchte. Seit März haben wir nun einen neuen Hausvater (Marshall). Er ist Wittwer mit zwei kleinen Kindern. An seinen freien Tagen ist er immer bei seinen Kindern, die bei Verwandten leben, anzutreffen.  Er hat sich schnell bei uns eingelebt und macht seine Arbeit gut.

Überhaupt  sind wir dankbar um all unsere Mitarbeiter. Sie kümmern sich liebevoll um die Kinder und wir haben auch ein gutes und freundschaftliches Verhältnis mit ihnen.

Sharon Khasandi lebt seit bald 3 Jahren in unserer Grossfamilie. Ihre Mutter starb vor gut drei Jahren und ihr Vater lebt noch in Soweto. Obschon er nicht weit weg von uns lebt, besucht er sie sehr selten; dieses Jahr kam er erst einmal für ein paar Minuten an einem Sonntag auf Besuch. Sharon, sieben jährig, geht nun in die erste Klasse. Sie geht gerne zur Schule und hat Freude am Lernen. Vor kurzem schrieb sie uns folgenden Brief:

Liebe Marianne und lieber Jonny,

Ich wünsche meiner Mutter Marianne und meinem Vater Jonny einen schönen Tag. Ich liebe Dich Marianne und ich liebe Dich Jonny.

Ich wünsche mir, dass mein Vater ein guter Vater ist und ich hoffe dass er nicht mehr trinkt, so dass er nicht stirbt.

Von Sharon K.

 

Manche von Euch haben schon gehört, wie ich erzählte habe, dass ein Menschenleben in Kenia nicht viel wert sei…

Folgender Bericht macht das wieder einmal so richtig deutlich und ist tragischerweise kein Einzelfall,  denn praktisch tagtäglich kann man solche Geschichten hier in den Zeitungen lesen.

Romo war einer der Jungs, den wir am Anfang in unsere Grossfamilie aufnahmen. Als er 1999 zu uns kam, schickten wir ihn in die achte Klasse. Schon als ganz kleiner Junge lebte er auf der Strasse. 1994 kam er in ein Kinderheim und wurde in die Schule geschickt. Als sich 1998 der Direktor  dieses Heims mit dem Geld davon machte, landete Romo für kurze Zeit wieder auf der Strasse. Dann kam er zu uns. Sein Vater starb 1998 und seit seinem Tod hat die Mutter psychische Probleme, lebt auf dem Land und kann sich in keiner Weise um ihre fünf Kinder kümmern.

Kennedy (links mit Marianne), der Jüngste (12 jährig) lebt auch schon lange in unserer Grossfamilie.

Romo schloss die Primarschule mit einer guten Prüfung ab, und wir fanden eine gute Sekundarschule für ihn. Sein Wunsch war es einmal Ingenieur zu werden.

Doch nach einem Jahr Sekundarschule wurden die Noten immer schlechter. Er verschwand auch oft und blieb mehrere Tage weg. Kleider, Bücher und anderes wurde auch mehrmals im Haus vermisst und alles deutete daraufhin, dass Romo der Dieb war. Immer wieder sprachen wir mit ihm, gingen mit ihm in die Schule, lösten die Probleme und gaben ihm eine neue Chance. Im dritten Jahr der Sekundarschule waren seine Noten so schlecht, dass er nicht mehr in der Klasse bleiben konnte. Wegen seinem Alter (er war der Älteste in seiner Klasse) wollte er die Klasse nicht wiederholen und so mussten wir ihn aus der Schule nehmen. Gemeinsam versuchten wir eine andere Lösung für seine Zukunft zu finden. Doch am Weihnachtsmorgen 2002 ging er aus dem Haus und kam abends nicht zurück.  Niemand wusste wohin er gegangen war.

Beim Durchsuchen des Zimmers fanden wir heraus, dass all seine Habseligkeiten auch weg waren. Nach einiger Zeit hörten wir, dass er sich in einem Slum in unserer Nähe niedergelassen hatte. Leider hörten wir auch andere Geschichten… Er sei kriminell geworden, sei oft in Schlägereien verwickelt, konsumiere Chang’a (verbotenen, billigen, aber hochprozentigen Alkohol) in rauen Mengen  und auch Haschisch und andere Drogen. Nach einiger Zeit fand ihn die Polizei, nahm ihn fest und er verbrachte zwei Monate in einem Gefängnis. Nachdem er wieder frei war, kam er uns mehrmals besuchen und wir versuchten ihm zu helfen. Er fand auch Gelegenheitsarbeiten, und konnte so für sich sorgen. Im März dieses Jahres kam er zu uns und bat uns, ihm eine letzte Chance zu geben. Er wisse jetzt, dass er viele Fehler gemacht hätte, und er einen Neuanfang machen möchte. Er wolle eine Lehre absolvieren. (Lehrstellen wie in der Schweiz gibt es hier nicht. Aber es gibt Berufsschulen, die man bezahlt, wo Praktisches und Theorie gelehrt wird.)  Eine Schule, wo er Mechaniker lernen konnte, wurde gefunden. Er wurde dort aufgenommen und er ging freudig hin.

Wir gaben ihm auch wöchentlich für seine Mahlzeiten Geld und samstags kam er nach Soweto um den Fussballteams zu helfen, denn Romo war auch ein begeisterter Fussballspieler. Vier Monate ging alles gut, er fehlte kaum und wir freuten uns über die positiven Berichte aus der Schule. Doch Ende Juli begann er die Schule zu schwänzen. Wieder versuchten wir mit ihm zu sprechen und zu helfen. Wir hatten auch den Verdacht, dass er wieder Drogen nahm. Vor ein paar Tagen kamen früh morgens Strassenjungs zu unserem Haus mit der Nachricht, dass Romo tot sei. Wir schickten jemanden mit ihnen um herauszufinden was passiert war. Ein paar Stunden später wurde uns folgendes erzählt:

Romo gehörte zu einer Diebesbande, die vor allem frühmorgens Frauen terrorisierte und ausraubte. Auch an diesem Morgen hatten sie zu dritt eine Frau, die auf dem Weg zum Markt war, mit einem langen Messer bedroht und ihr Geld gestohlen. Als die Jungs mit ihrer Beute weg gingen, schrie die Frau „Mwizi“ (Dieb) und Leute kamen angerannt und verfolgten die Jungs. Eine heisse Verfolgungsjagd fand statt und schliesslich wurde einer der Jungs gefasst. Für Diebe, die von einer zornigen Menschenmenge gefasst werden, bedeutet dies das Todesurteil. Es wird nicht auf die Polizei gewartet, die Person wird von der wütenden Menge verurteilt und hingerichtet. Das Volk traut der Polizei nicht mehr, denn Schuldige können die Polizei bestechen und sind nach kurzer Zeit wieder auf freiem Fuss. Doch oft werden so auch zu unrecht verdächtigte Leute verurteilt und umgebracht. Der Jüngling wollte nicht alleine sterben und verpfiff einen seiner Komplizen, der nicht weit weg im hohen Grass versteckt war. Dies war Romo, und als die Menge ihn zu fassen versuchte, wehrte er sich wie wild mit seinem langen Messer und verletzte mehrere Menschen. Als sie ihn schliesslich packten, wurde er mit seinem eigenen Messer hingerichtet und anschliessend wurden die zwei jungen Männer angezündet. Als die Polizei kam, konnten sie nichts mehr machen, denn die zwei waren komplett verbrannt. Die Diebesbeute an diesem Morgen war 500KSH (ungefähr soviel wie 8SFR)…

Der Schock war für uns alle gross, als wir diese Geschichte erfuhren. Natürlich waren wir auch enttäuscht. Wir hoffen nun einfach, dass die anderen Jungs von diesem tragischen Zwischenfall lernen und die Chance, die sie bekommen, wahrnehmen.  

In der Schweiz gibt es seit dem Jahr 2000 den Verein „Masemi Schweiz“, und wir möchten ihn gerne kurz vorstellen:

Hauptaufgabe des Vereins ist es, den „Maisha Mema Child Sponsorship Program“ sowohl finanziell, materiell als auch organisatorisch zu unterstützen. Ziel ist es Maisha Mema Child Sponsorship Program in der Schweiz bekannt zu machen, Spender zu akquirieren und Patenschaften zu vermitteln.

Mitgliedschaft

Mitglieder von Masemi Schweiz sind Einzelpersonen und Organisationen. Die Mitgliedschaft erfolgt mit einer schriftlichen Beitrittserklärung. Der Mitglieder-beitrag für Einzelpersonen pro Jahr beträgt Fr. 10. -- (ab 2005: Fr. 20.--) und für Organisationen Fr. 100.--.

Vorstand

Dieser besteht ab 01.09.2004 aus folgenden Personen:

Präsident                      Matthias Tödtli, Sommeri

Vizepräsidentin             Beatrice Friedrich, Bern

Sekretärin                    Isabel Jordi-Ertler, Bern

Buchhaltung                 Ursula Winkler, Innertkirchen

Beisitzerin                    Marianne Haldimann sen., Ostermundigen

Revisor                        Paul Bachmann, Ostermundigen

Hilfstransporte nach Nairobi

Wenn jemand nach Nairobi reist, kann allenfalls ein Kontingent an Übergepäck bei der Fluggesellschaft beantragt werden, um Medikamente, Kleider, Schuhe, Schulbücher, Sportkleidung, Bälle, etc. kostenlos nach Nairobi zu transportieren. Bitte unbedingt mit Matthias Tödtli (071/414 50 83 oder matthias.toedtli@surprise-reisen.ch) in Kontakt treten.

Sekretariat

Am Dändlikerweg 53, 3014 Bern wird das Sekretariat von Isabel Jordi-Ertler geführt. Dieses gibt gerne Auskunft für alle anfallenden Fragen (031/333 55 93 oder imjordi@datacomm.ch) und nimmt auch gerne Anfragen zur Mitarbeit/Unterstützung des Vereins entgegen.

Kontoverbindung

MASEMI Schweiz

3014 Bern

PC-Konto 30-168657-6 

Liebe Freunde, wir sind dankbar, wenn Ihr an uns, an die Kinder, an unsere Mitarbeiter und an unsere Pläne in Euren Gebeten denkt! Wir danken auch ganz herzlich für all Eure Unterstützung.

Mädchen in Soweto

Mit lieben Grüssen!

Marianne  und Jonny

 

Rundbrief  

Januar 2004

Liebe Freunde!

Schon wieder sind drei Monate vergangen seit dem letzten Rundbrief. Herzlichen Dank an alle, die uns geschrieben haben und an alle, die uns und unsere Arbeit unterstützen. Anfangs Januar fing ein neues Schuljahr an - vieles musste vorbereitet und eingekauft werden. Nun sind wir froh, dass es tagsüber etwas ruhiger ist, da die meisten Kinder in der Schule sind. Sogar die kleine Sharon geht nun zur Schule (in die „Baby-Klasse“).

Miss Kenia mit Tete (die gerade mit der  8. Klasse fertig wurde)

Im Dezember besuchten mehrere Kinder aus unserer Grossfamilie Verwandte. Sie waren aber alle vor Weihnachten wieder zurück, denn dieses Jahr gab es eine besondere Weihnachtsüberraschung. Unsere Kirche (Nairobi Chapel) unterstützt jedes Jahr an Weihnachten ein Kinderheim. Dieses Jahr waren wir an der Reihe. So besuchten uns am Sonntag, 21. Dezember, über 50 Leute von Nairobi Chapel, und wir verbrachten zusammen einen unvergesslichen Nachmittag. Unsere Kinder sangen und tanzten für die Besucher. Danach gab es ein Zvieri und eine Bescherung für unsere Kinder. Wie sich alle freuten über die Geschenke, die sie bekamen! Der Höhepunkt mancher Kinder war, dass Nairobi Chapel die amtierende „Miss Kenia“ eingeladen hatte. Eine Schönheitskönigin live zu sehen und sogar mit ihr zu sprechen, das war ganz speziell! Natürlich wollte jedes Kind ein Photo zusammen mit Miss Kenia. Fernsehreporter zeichneten die Veranstaltung auf, und zwei Tage später sahen wir einen 15 Sekunden Ausschnitt in den Nachrichten.

Leben in Soweto…

Ob man einen Tag in Soweto verbringt oder in einem der anderen unzähligen Slums von Nairobi, das macht eigentlich keinen Unterschied. Erschreckende Armut, erbärmliche Wohnverhältnisse, blockierte Abwassersysteme, meterhohe Abfallberge und Massenarbeitslosigkeit. Die Bewohner haben meistens keine Ausbildung, die meisten können kaum lesen und das Schreiben beschränkt sich oft auf den eigenen Namen. Die Ernährer in der Familie (leider fast immer die Mutter) müssen sich meistens mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen. Die Mehrzahl der Mütter, deren Kinder wir in die Schule schicken, ist alleinerziehend. Durchschnittlich hat eine Frau in einem Slum sechs Kinder, und oft haben die Kinder verschiedene Väter. Ein Vater (oder Onkel, wie er in den meisten Fällen genannt wird…) wohnt manchmal nur ein paar Monate bei ihnen. Die Sorge für die Familie tragen somit die meisten Mütter alleine. Die Arbeiten (um Geld zu verdienen) sind hart: Wasser zu Baustellen schleppen; Essen für Bauarbeiter kochen; im Industrieviertel während einer 10 Stunden Schicht irgendwelche Fliessbandarbeit machen; Wäsche waschen und Putzen; Feld – und Gartenarbeit verrichten; Kehrrichtberge durchkämmen und Wiederverwertbares verkaufen oder mit irgendetwas (Gemüse, Früchte, Paraffin, Holzkohle, Altkleider,...) handeln. Nicht selten kommt es vor, dass die Ernährer ein bis zwei Wochen keine Arbeit finden. Dies hat natürlich traurige Konsequenzen für die ganze Familie… Die Erwachsenen sind gereizt. Oft gibt es Streit und Schlägereien. Der unerlaubte, billige und nicht ungefährliche Alkohol wird in rauen Mengen konsumiert, doch es kommt kein Essen auf den Tisch, so dass manche Kinder weglaufen und versuchen sich alleine durchzuschlagen.

Ein Taglöhner verdient im Schnitt 150KSH (das sind weniger als 3SFR!). Ein Zimmer in Soweto kostet pro Monat 300KSH (ein armseliges Zimmer, wo es während der Regenzeit reinregnet und der Boden nur aus gestampfter Erde ist) bis 1000KSH (in einem Steinhaus mit betoniertem Boden). Dann könnte man noch billigere Zimmer mieten (200KSH), aber die sind dann ohne Toilette (da muss man dann ganz kreativ sein…). Oft lebt und schläft die ganze Familie in einem Zimmer. Bett gibt es meistens eines, dort schläft die Mutter mit den jüngsten Kindern. Die anderen schlafen verstreut am Boden auf einer Matratze. Nachdem die Jungs (ca. 16 jährig) beschnitten sind, ist es für sie tabu im gleichen Zimmer wie ihre Mütter zu übernachten.

Nebst der Miete braucht man täglich Wasser. In Soweto gibt es öffentliche Wasserhähnen, wo man mit eigenen Plastikcontainern Wasser holt. 20 Liter kosten ungefähr 5KSH. Praktisch alle Leute in Soweto haben keinen Strom. Sie behelfen sich mit Paraffinlampen und kochen meistens auch mit Paraffin. Ein halber Liter Paraffin kostet 20KSH. Je nach Grösse der Familie und wie viel man kocht, reicht dies für zwei bis drei Tage. Dann muss noch für das Abendessen eingekauft werden (Grundnahrung: Grünes Blattgemüse und Maismehl 70KSH). Das Frühstück besteht oft aus den Resten vom Vorabend mit ungesüsstem Schwarztee. Ein halber Liter Milch (25KSH), ein Brot (22KSH) und Zucker (1kg für 45KSH) sind schon Luxusartikel. Der Tageslohn verlässt die Taschen mit einem Riesentempo. Viele Familien hoffen, dass sie nicht unerwartet Besuch bekommen, sonst müssten sie noch tiefer in die Tasche greifen.

Es ist deshalb verständlich, dass die Kinder manchmal nur die Kleider besitzen, die sie am Leibe tragen, dass sie hie und da hungrig sind und meistens in Slippers (Flip Flops), die kaputt oder geflickt sind, herumrennen. Sie sind auch anfälliger für irgendwelche Krankheiten und keine Woche vergeht, wo wir nicht mindestens zwei oder drei Kinder zum Arzt bringen.

Zu Beginn unserer Arbeit gaben wir den Kindern immer eine Mahlzeit. Doch dann sahen wir uns gezwungen aufzuhören, weil manche Mütter ihre Verantwortung nicht mehr wahrnahmen und meinten, dass die Kinder ja eine Mahlzeit gehabt hätten, und es ja nichts mache, wenn sie kein Abendessen bekämen… Letztes Quartal haben wir nun damit begonnen, all unseren Kindern aus Soweto (75 zur Zeit) wenigstens zweimal wöchentlich ein Mittagessen in der Schule zu ermöglichen. Die Kinder sind froh, wenn sie so richtig gesättigt zurück in die Klasse gehen können.

Im letzten Jahr hatten wir auch einige neue Kinder, die in unserer Grossfamilie ein Zuhause fanden. Die zwei neusten Kinder sind die  Geschwister Alice Muthoni (9jährig) und Paul Kamau (7jährig). Sie lebten mit ihrer Mutter in Soweto. Im Januar 2003 schickten wir Alice in die 1. Klasse und Paul in die Vorschule. Die Mutter trank und verkaufte Chang’a (verbotener, billiger, aber starker Alkohol). Oft schickte sie Alice um Chang’a zu kaufen, denn die Polizei würde ein kleines Kind nicht anhalten oder seine 3-Liter Plastikflasche verdächtig finden. Als sich Alice bei der Mutter über den Chang’a Einkauf beschwerte, wurde ihr gesagt, dass es ohne Chang’a - Besorgungen eben auch kein Essen für sie gäbe. Vor gut zwei Jahren, als Alice und Paul anfingen ins Clubhouse zu kommen, benahm sich Paul an den meisten Vormittagen komisch. Unsere Mitarbeiter fanden heraus, dass Paul morgens oft beschwipst war. Auf der Suche nach etwas Essbarem im Haus leerte er die Gläser, die im Haus herumstanden und noch kleine Resten von Chang’a enthielten. Es ist möglich, dass der Alkohol sein Gehirn angegriffen hat, da er in der Schule grosse Mühe mit dem Lernen hat. Die Mutter war immer wieder krank, und Alice musste sich um sie und den jüngeren Bruder kümmern. Oft fehlte sie deshalb in der Schule. Im Oktober, als unsere Sozialarbeiterin die Familie besuchte, sassen die Kinder neben der kranken Mutter und weinten. Die Mutter konnte niemanden erkennen und phantasierte die ganze Zeit. Wir beschlossen sie ins Spital zu bringen, und nach mehreren Untersuchungen wurde sie in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Dort blieb sie etwa sechs Wochen und wurde anschliessend zu ihrer Mutter aufs Land gebracht. Sie ist nicht in der Lage nach Soweto zurückzukommen oder sich um ihre Kinder zu kümmern. Die zwei Geschwister haben sich aber ganz schnell bei uns eingelebt und fragen kaum je nach ihrer Mutter…

Wir sind gespannt, wenn wir daran denken, was für dieses Jahr geplant ist:

Vor ein paar Tagen ist unsere erste Besucherin angekommen. Eine junge Norwegerin, die 10 Wochen bei uns lebt und in Soweto aushilft. Wir erwarten eine Anzahl Besucher dieses Jahr, und freuen uns über die Abwechslung.

Ende Februar kommen 12 – 15 Norweger für zehn Tage Urlaub nach Kenia. Wir haben ein Programm ausgearbeitet und werden mit ihnen auf Safari und an die Küste gehen. Sie werden aber auch einen Einblick in unsere Arbeit bekommen.

Im Moment sind in den USA Vorbereitungen im Gange, damit ungefähr 25 Jugendliche im Sommer einen Missionseinsatz bei uns machen können.

Reisen steht auch für uns dieses Jahr auf dem Programm. Jonny wird Ende März mit Fred, einem unserer Mitarbeiter nach Norwegen gehen. Dort werden sie bei verschiedenen Anlässen über unsere Arbeit sprechen. Ende Mai wird Jonny wieder nach Kenia kommen. Marianne wird Mitte Mai in die Schweiz fliegen.

Wir hoffen auch Mitte Jahr mit der ersten Bauphase zu beginnen.

Muthoni und Paul bekommen zum ersten Mal ein Weihnachtsgeschenk…

Unser Alltag ist nicht immer einfach. So oft werden wir mit Lügen, Betrug und Diebstahl konfrontiert, und um die Wahrheit herauszufinden, braucht es eigentlich einen Detektiv…  Für die meisten hier ist es nichts Falsches, wenn man lügt. Lügen ist nur dann falsch, wenn es herausgefunden wird… Wir sind dankbar, wenn Ihr uns, unsere Arbeit und unsere Pläne in Euren Gebeten mittragt.

Mit herzlichen Grüssen!

Marianne  und Jonny

 


Rundbrief  

Oktober 2003

Liebe Freunde!

Viel ist in den letzten Monaten passiert - Schönes aber auch weniger Erfreuliches. Mit diesem Brief möchte ich Euch einmal mehr einen Einblick in unsere so abwechslungsreiche Arbeit geben.

Anfangs August hatten wir für eine Woche ein sechsköpfiges Missionsteam aus den Staaten bei uns. Sie arbeiteten in Soweto mit unseren Kindern, und wir nahmen sie in mehrere Schulen mit, wo sie das Evangelium verkündeten. Sie verbrachten auch zwei Abende mit unserer Grossfamilie. Unsere Kinder und Mitarbeiter waren durch diesen Besuch sehr ermutigt. Der Abschied fiel nicht nur dem Missionsteam schwer, auch eine Anzahl unserer Kinder weinten als die Besucher gingen. Julius – einer unserer Mitarbeiter - meinte, dass wir noch nie Besucher gehabt hätten, die so auf die Kinder eingegangen seien und ihnen so viel Liebe gezeigt hätten. Wir hoffen nun, dass sich daraus eine Langzeit - Partnerschaft entwickelt.

Eigentlich wollte ich Ende August, so wie letztes Jahr, mit Lehrern für ein paar Tage nach Mombasa fahren. Doch kurzfristig musste ich die Reise absagen, denn zwei Tage davor erhielt ich die Nachricht, dass der kleine Bruder einer Familie, von der wir drei Kinder unterstützen, gestorben sei. Er ist daheim im Bett - in der Nacht - eingeschlafen. Der Vater war auch schon seit 10 Tagen im Spital, und er hatte am Vortag seiner Tochter gesagt, dass er mich noch einmal sehen möchte. So gingen Flo (unsere Hausmutter) und ich am Freitagmittag ins Kenyatta Spital. Ein Riesenspital, teilweise staatlich finanziert, ziemlich günstig, doch der Service lässt zu wünschen übrig… Wir wussten, auf welcher Etage sich der Vater befand, so machten wir uns auf die Suche nach ihm. Nachdem wir in unzählige Zimmer hineingeschaut hatten und uns eine Krankenschwester auch nicht weiterhelfen konnte, warteten wir auf seine Frau, die uns zu ihm brachte. In den meisten Betten fand man zwei Patienten, und mehrere Personen mussten auf Matratzen am Boden liegen oder in Betten in den Gängen. Der Gestank und der Dreck waren unvorstellbar… Alleine hätten wir ihn wirklich nicht gefunden oder ihn wieder erkannt. Dieser 45 jährige, grosse, stämmig gebaute Mann war nur noch ein Häufchen Elend. Innert kürzester Zeit war er bis auf Haut und Knochen abgemagert. An diesem Tag hatte er nicht einmal mehr die Kraft zu sprechen. Wir standen etwa eine halbe Stunde um sein Bett, und er wurde in dieser Zeit noch schwächer und starb. Was für ein Schock für seine Frau am gleichen Tag Ehemann und Sohn zu verlieren. Wir brachten sie heim und hatten die undankbare Arbeit, die traurigen Neuigkeiten den Kindern zu überbringen.

In dieser Familie schicken wir Emily, 17-jährig, in die Sekundarschule. Irene hatten wir in die Primarschule geschickt, doch sie hatte sehr schlechte Noten, deshalb wollte der Vater, dass sie nochmals die achte Klasse wiederholt. Sie ist jetzt bei der Grossmutter auf dem Land und wiederholt das achte Schuljahr. Edwin, sieben-jährig, schicken wir in die erste Klasse. Die Mutter ist erst 25 Jahre alt (Sie ist die Stiefmutter von Irene und Emily). Die erste Frau starb vor mehreren Jahren. Mit der zweiten Frau hatte der Vater drei Kinder. Er hatte vor sechs Jahren einen Unfall und ein Bein musste amputiert werden. Beide Elternteile waren arbeitslos und hatten viel Mühe die grosse Familie zu versorgen. (Im Ganzen hatte der Vater 10 Kinder, doch fünf sind gestorben.)

Vor etwa anderthalb Jahren hat uns der Vater gesagt, dass er sich Sorgen um seine Familie mache, denn er wusste, dass er HIV positiv war. Die Krankheit war schon in fortgeschrittenem Stadium und er wusste, dass er nicht mehr allzu lange zu leben hatte. Auch der Sohn ist an Aids gestorben. Leider ist auch die Mutter HIV positiv, und eines Tages wird auch sie an dieser Krankheit sterben…

Im ganzen Land gibt es massive Aufklärungskampagnen, in allen öffentlichen Schulversammlungen muss über HIV/Aids geredet werden. Doch leider wird es in den nächsten Jahren nicht besser werden, denn Kenia hat eine sehr hohe Aidsrate, in manchen Teilen des Landes ist eine von vier Personen HIV positiv.

Bedauerlicherweise wird hier vielen Leuten bei ihrem Tod viel mehr Ehre zugewiesen, als sie in ihrem Leben je bekamen. Viele sind bereit, sich in riesige Schulden zu stürzen, um den Verstorbenen eine würdige Beerdigung zu geben. So ist es auch bei den Luos, dem Stamm dieser Familie. Für sie ist es wichtig, dass die Beerdigung auf ihrem Land stattfindet und nicht auf einem öffentlichen Friedhof in Nairobi. Die Familie kommt von der Gegend um den Viktoriasee. Dies ist eine etwa siebenstündige Autofahrt von Nairobi aus.

So versuchten Angehörige und Freunde drei Wochen lang genügend Geld zu sammeln, um die zwei Leichname aufs Land zu transportieren. Verschiedene Rituale mussten befolgt werden. Für uns „Weisse“ ist manches sehr schwer oder gar nicht zu verstehen. So auch das Wehklagen der Angehörigen aus diesem Stamm, es geht einem durch Mark und Bein. Die Verwandten befahlen der Ehefrau, bevor die Beerdigung überhaupt stattfinden konnte, ein Haus zu bauen. Da die Familie so arm ist, haben sie auf dem Gelände seiner Eltern nie ein Haus (oder eine Hütte) gebaut. Die Tradition gebietet aber, dass der Leichnam eine Nacht in ihrem Haus sein muss, bevor er beerdigt werden kann. Alles getan und die Vorschriften befolgt, wurden beide gut drei Wochen nach ihrem Tod begraben. Die Kinder sind nun wieder in der Schule, doch die Ehefrau muss einen Monat auf dem Land bleiben um zu trauern. Danach kommt sie wieder zurück nach Nairobi um für ihre Familie zu sorgen.

Neues aus unserer Grossfamilie…

In unserer Grossfamilie hat es im letzten Monat auch Änderungen gegeben. Schon lange fanden wir, dass der Platz einfach sehr knapp ist. So beschlossen wir für die grossen Jungs (18 jährig und älter) eine Wohnung zu mieten. Sie geniessen es nun ihre eigene Wohnung zu haben und damit auch mehr Freiheit. Unser Ältester, der mit der Sekundarschule fertig ist, hat die Verantwortung für die anderen Jungs. Sieben Jungs haben wir ausquartiert, davon sind aber vier in einer „boarding-school“, und nur während den Ferien daheim.

Im vergangenen Monat haben wir aber wieder drei neue Jungs und drei Mädchen aufgenommen und so hat unsere Grossfamilie nun fünf Jungs und 18 Mädchen. Das Durchschnittsalter ist gesunken, fast die Hälfte der Kinder ist nun zwischen 10 und 13 Jahren.

Flo, unsere Hausmutter, die nun fast vier Jahre bei uns war, verliess uns Ende September. Verständlicherweise waren die meisten Kinder etwas traurig, dass sie ging. Doch wir sind dankbar über einen reibungslosen Übergang, denn wir haben rechtzeitig eine neue Hausmutter gefunden. Sie heisst Helen, ist eine sehr tüchtige Frau, und die Kinder haben sie schnell lieb gewonnen.

Zwei der Mädchen (elfjährige Zwillinge), die wir vor drei Wochen aufgenommen haben, hatten wir schon in den letzten zwei Jahren in die Schule geschickt. Doch die Mutter, eine alleinerziehende Frau mit acht Kindern, hat sehr wenig Verantwortung für ihre grosse Kinderschar übernommen. Immer wieder hat unsere Sozialarbeiterin mit ihr gesprochen. Dann änderte sie sich für ein paar Tage und verfiel wieder in den alten Trott. Oft vertrank sie das wenige Geld, das sie durch Gelegenheitsarbeit verdiente, und die Kinder mussten hungrig ins Bett. Im August hat sie überhaupt keine Verantwortung mehr für ihre Kinder übernommen, sie war nur noch daheim zum schlafen, und die Zwillinge mussten auf die vier jüngeren Kinder aufpassen und für sie sorgen. Die Mutter bezahlte auch die Hausmiete nicht mehr, und der Vermieter kam und schloss die Hütte zu. Da mussten die Kinder bei ihrer Nachbarin Unterschlupf finden. Die hatte selber auch schon acht Kinder und wohnte in einer winzigen Hütte. Die Zwillinge kamen zu uns und baten um Hilfe. Wir sahen, dass die zwei nur eine Zukunft hatten, wenn man sie aus der Umgebung herausnahm. Sie kamen mit ganz schmutzigen, alten Kleidern zu uns, und sie waren so stolz, als wir mit ihnen Kleider und Schuhe kauften. Da fingen sie plötzlich an sich dreimal am Tag neu anzuziehen. Vorher konnten sie sich nur selten und nur mit ganz wenig Wasser waschen, ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie viel Dreck und Flöhe weggeschrubbt wurden… Bei den Mahlzeiten solltet Ihr die Riesenberge sehen, die sie auf ihre Teller schöpfen… Ein Zwilling war in dieser kurzen Zeit schon krank und klagte auch über Zahnschmerzen. Der Arzt fand Amöben, und der Zahnarzt musste einen Zahn ziehen und zwei Zähne flicken. Der Zahn, der gezogen werden musste, war nur noch ein brauner Stumpf. Dieser Zahn hatte schon lange weh getan, und die Mutter hatte zur Linderung Batteriesäure darauf gelegt. Scheinbar ist dies ein beliebtes und nicht harmloses Mittel in den Slums, das gegen Zahnschmerzen angewendet wird… Jetzt dürfen die Zwillinge wieder sorglose Kinder sein, mit anderen spielen, jeden Tag in die Schule gehen und immer genug zum Essen und ein bequemes Bett zum Schlafen haben…

Sollte nicht jedes Kind ein Recht auf Liebe, Geborgenheit, Sicherheit, Fürsorge und Schutz haben? Manchmal werden wir so wütend, wenn wir sehen, wie viele Kinder hier behandelt werden und wie wenig wert ihr Leben hat.

Wir sind froh, dass wir dank Eurer Unterstützung das Leid einiger Kinder lindern dürfen. Herzlichen Dank an alle, die an uns denken, uns unterstützen und für uns und unsere Arbeit beten. Ohne Euch könnten wir es nicht tun. Ihr helft uns Mt 18,5 umzusetzen. Jesus sagte:

„Wer ein Kind mir zuliebe aufnimmt, der nimmt mich auf.“

Mit herzlichen Grüssen!

Marianne  und Jonny

 


Rundbrief  

Ende Juli 2003

Liebe Freunde!

Das Wetter hat dieses Jahr verrückt gespielt.  Anfangs Jahr hat das Thermometer Hitzewerte wie noch nie zuvor registriert und während der Regenzeit hat es wie aus Kübeln geschüttet.  An vielen Orten gab es Überschwemmungen, Tausende wurden obdachlos und verloren ihr ganzes Hab und Gut. Nun hat der kälteste Monat angefangen – Winter in Kenia. (Das bedeutet, dass ich an manchen Tagen einen Pullover tragen muss.J)

Anfangs Juni, als Jonny und ich etwas europäische Luft in einem Einkaufszentrum schnupperten (und auch Käse, Wurst und anderes einkauften, das man sonst nicht findet), trafen wir ein älteres, amerikanisches Missionarsehepaar, das ich 1991 kennen gelernt habe, als ich bei den Covenant Players war.  Der Kontakt blieb immer, doch irgendwie verloren wir uns in den letzten drei Jahren aus den Augen.  Sie sind dabei ein neues Wirkungsfeld zu suchen. Wir erzählten von unserer Arbeit.  Sie besuchten uns und wir nahmen sie mit ins Slum, wo der grösste Teil unserer Arbeit stattfindet.  Wisst Ihr, womit er sein Leben lang Geld verdient hat?  Er war Bauführer und hat sich nun anerboten unser Bauprojekt zu übersehen.  Für uns ist dies eine tolle Gebetserhörung! Er kam auch mit uns zum Architekten, da wir einiges an den Plänen ändern möchten.  Er erzählte dem Architekten von den Kindern in Soweto und von unserer Arbeit, so dass der Architekt nicht anders konnte, als die Änderungen gratis zu machen. (Es hätte umgerechnet mindestens 2500 sFr. gekostet!)  Jonny und ich kamen ganz überwältigt aus dem Büro!  Jetzt treffen wir uns mindestens einmal in der Woche mit diesem Ehepaar.  Wir gehen miteinander essen und haben einfach gute Gemeinschaft.  Ich merke auch, wie mir in den letzten vier Jahren der Kontakt zu „Weissen“ gefehlt hat, und wir sind so froh und ermutigt durch diese Freundschaft.

Oft hofften wir, dass wir schon früher das Geld zusammen hätten um bauen zu können.  Aber die Zeit war einfach noch nicht reif.  Es tut gut zu wissen, dass Gott den richtigen Zeitplan hat!  Ende August geht Jonny wieder für fünf Wochen nach Norwegen.  Diesmal wird er das Bauprojekt vorstellen.  Bitte betet mit uns, dass er mit den nötigen Finanzen zurückkommt, damit wir anfangs 2004 mit der ersten Bauphase beginnen können.

Ohne unsere Mitarbeiter könnten wir unsere Arbeit nicht tun.  Wir sind dankbar für ihre Treue und Hingabe, denn sie helfen mit, unser Motto umzusetzen: Join us to make a positive change in a child’s life“ (Kommt und helft uns ein Kinderleben positiv zu verändern).

Ich möchte Euch einen kleinen Einblick in den Alltag einer unserer Mitarbeiterinnen (Mkala) geben.  Mkala pflegt Kontakte zu den Müttern der Kinder in Soweto.  Sie besucht sie oft und hilft ihnen.  In ihrem Rapport lesen wir folgendes: 5. April: „Ich und vier andere Mütter besuchten Mama A. (die Mutter von A.), die krank ist.  Wir ermutigten sie und beteten für sie.“ 7. April: „Besuchte Mama A.  Sie hat mir anvertraut, dass sie HIV+ ist.  Sie ist schwach. A. (11 jährig) hilft der Mutter.“ 6. Mai: „Besuchte Mama A.  Sie zeigte mir ihre Papiere, die ihren HIV-Status bestätigen.  Ich habe sie ermutigt und wir sind nun wirklich befreundet.“ 12. Mai: „Besuchte Mama A. und ermutigte sie.  Sie scheint ihre Situation besser zu akzeptieren.“ 13.Mai: Besuchte Mama A. als erste am Morgen.  Es geht ihr besser und sie scheint ihren Zustand zu akzeptieren.“ 14. Mai: „Besuchte Mama A.  Sie kann sogar lächeln.“ 20.Mai: „Besuchte Mama A.  Sie zeigte mir einen Brief, der sie ans Kenyatta Spital verweist.“

Der Zustand von Mama A. ist ungefähr immer gleich.  Sie macht sich Sorgen um die Zukunft ihrer Tochter, denn sie hat keine nahen Verwandten mehr.  Wir haben nun zusammen mit ihr beschlossen, dass wir in der nahen Zukunft A. in unsere Grossfamilie aufnehmen werden.

Fred, ein Architekturstudent, verdient sich sein Studium, indem er in seiner Freizeit und während den Ferien bei uns mitarbeitet.  Er ist ein aufgestellter, junger Mann, der sich vor allem um zwei der Fussballteams kümmert.  Er meinte kürzlich folgendes über seine Arbeit: „Die Jungs sind mein Leben.  Sie sind meine Freude, meine Frustration, meine Ermutigung und meine Freizeit.  Sie haben viele Schwierigkeiten: Sie haben lose Familienbande, sie spielen ohne Fussballschuhe (öfters gibt es Wunden…), sie werden beim Spielen ausgebuht, Hunger ist ein Teil ihrer Diät - doch gleichwohl stehen sie immer wieder auf. Sie sind immer in meinem Gebet, ich wüsste nicht, was ich ohne die 24 Jungs tun würde - das Leben ist ein Rätsel.

Ich dachte nie, dass ich so eng verbunden sein könnte, da ich immer eine unabhängige Person gewesen bin.  Wenn ich über meine Zukunft nachdenke, muss ich auch an ihre Zukunft denken.  Wir werden sehen, was uns erwartet.“

Virginia ist ein 14 Jahre altes Mädchen, das längere Zeit im Klubhaus war und mit ihrer Tante in Soweto lebte.  Anfangs Jahr schickten wir sie in die 5. Klasse.  Sie war froh, endlich wieder in der Schule zu sein, strengte sich an und war nach nur einem Quartal eine der Besten.  Ihre Mutter galt lange als verschollen, und die Verwandten hatten Virginia gesagt, dass die Mutter tot sei.  Letztes Jahr wurde aber die Mutter wieder gefunden und der Schock war gross, als Virginia herausfand, dass ihre Mutter lebt.  Die Mutter ist aber meist krank (epileptische Anfälle) und kann sich nicht um die Tochter kümmern.  Im Dezember kam die Grossmutter und wollte, dass Virginia mit ihr aufs Land kommt und beschnitten (FGM = Female Genital Mutilation) wird. (In ihrem Stamm werden immer noch über 50% der Mädchen beschnitten.  FGM ist in Kenia eigentlich verboten, doch immer noch sehr weit verbreitet.  Trotz des Verbotes ist es sehr schwierig diesen Brauch auszurotten.  Von den 43 Stämmen, beschneiden nur gerade vier ihre Frauen nicht.)  Als wir dies herausfanden, sprachen wir mit den Verwandten und konnten sie überzeugen, dass Virginia in Nairobi bleibt.  Anfangs Jahr wurde Virginia dann von ihrem Cousin (Sohn der Tante) sexuell belästigt und wir mussten wieder eingreifen.  Die Tante nahm ihren Sohn in Schutz und begann Virginia schlecht zu behandeln.  Sie benachrichtigte auch die Grossmutter auf dem Land und eines Tages im April tauchte diese dann auf, mit der Begründung, dass sie nun hier sei, um Virginia mit aufs Land zu nehmen.  Dies war ein Schock für Virginia und für uns.  Unsere Mitarbeiter kidnappten Virginia und versteckten sie zwei Tage (manchmal gibt es hier etwas unorthodoxe Methoden…).  In der Zwischenzeit versuchten wir mit der Grossmutter und den Verwandten zu sprechen.  Wir beschlossen auch, Virginia in unsere Grossfamilie auf-zunehmen.  Virginia kam zu uns und verbrachte zwei unbeschwerte Tage, dann wollte sich die Grossmutter von Virginia verabschieden, bevor sie wieder zurück aufs Land ging.  Virginia ging nach Soweto um der Grossmutter Lebewohl zu sagen, doch plötzlich änderte sich die Meinung der Grossmutter und sie wollte Virginia unbedingt mitnehmen.  Im Klubhaus entwickelte sich ein emotionales Drama zwischen Virginia, unseren Mitarbeitern und den Verwandten. Schliesslich hatten wir keine andere Wahl, als eine weinende Virginia schweren Herzens ziehen zu lassen.  Trauerstimmung herrschte bei den Kindern, den Mitarbeitern und uns…

Vor drei Wochen beschlossen wir, zwei unserer Mitarbeiter zu Virginia aufs Land zu schicken, um zu sehen, ob sie die Schule besucht und wie es ihr geht.  Die zwei gingen bewaffnet mit offiziellen Briefen von der Schule in Soweto, vom Sozialamt, das sich um Kinder kümmert, und von uns.  Wir waren froh herauszufinden, dass sie in die Schule geht.  Virginia war glücklich, bekannte Gesichter zu sehen. (Sie besucht die 6. Klasse der Dorfschule, da die 5. Klasse bereits überfüllt ist.)  Unsere Mitarbeiter fanden auch die Grossmutter und sprachen mit ihr.  Virginias Mutter war allerdings gerade wieder einmal im Spital – mit ihr war kein Treffen möglich.  Sie sprachen auch mit den Lehrern über die Beschneidung und diese versprachen, sich für Virginia und ihre Rechte einzusetzen.  Da Virginia die Schule besucht und die Verwandten sich um sie kümmern, hatten wir keine guten Gründe, um sie wieder mit nach Nairobi zu nehmen.  Als sich aber unsere Mitarbeiter verabschiedeten, sagte der Grossvater, der bis zu dem Zeitpunkt nichts von der ganzen Geschichte gewusste hatte, dass wir nie hätten erlauben dürfen, dass Virginia zurück aufs Land gebracht wurde. Doch leider sind Familienbande stärker als alles andere und so sind unsere Hände oft gebunden…

Julius, einer unserer Mitarbeiter, schrieb ein Lied nachdem Virginia weggegangen war.  Die anderen Kinder singen es nun im Gedenken an sie.  Hier sind ein paar Zeilen davon übersetzt:

Lehre mich nicht eine Waffe zu halten / Lehre mich einen Schreiber zu halten / Lehre mich nicht zu kämpfen/ Lehre mich durch Bücher/

Ich bin ein Kind, das Liebe braucht / Bitte steh ein für die Rechte eines Kindes / Seid stark Kinder, seid stark, auch wenn sie sich nicht um unsere Rechte kümmern.

Euch einfach immer wieder ein herzliches Dankeschön für Euer Mittragen, Eure Gaben und Eure Gebete!  Wie unsere Mitarbeiter, so seid auch Ihr einen ganz wichtiger Teil unserer Arbeit.  Ein Merci auch an alle, die mit uns durch Briefe oder E-Mails im Kontakt sind.

Mit herzlichen Grüssen!

Marianne  und Jonny

 


Rundbrief  

Anfangs April 2003

Liebe Freunde!

Schon ist das erste Quartal des Jahres 2003 vorbei.  Ich verbrachte vier schöne, wenn auch sehr kalte, Wochen in der Schweiz.  Es war schön Familie, Freunde und Verwandte zu sehen. Jonny blieb während dieser Zeit in Kenia.  Doch nun ist er gerade für etwa 8 Wochen nach Norwegen gegangen.  Der grösste Teil der Unterstützung für unsere Arbeit kommt aus Norwegen, das sind ungefähr zwei Drittel des ganzen Einkommens.  Jonny wird viel unterwegs sein und bei verschiedenen Veranstaltungen über unserer Arbeit sprechen.

Das Jahr 2003 brachte auch viele Veränderungen für Kenia.  Die Präsident- schaftswahlen Ende Dezember 2002 wurden von der Opposition gewonnen.   Daniel Arap Moi ist nach 24 Jahren als Präsident zurückgetreten und Mwai Kibaki ist Kenias dritter Präsident.  Wir sind dankbar, dass die Wahlen friedlich und fair verlaufen sind.  Es wurden viele Wahlversprechen gemacht und jetzt geht es darum, dass sie auch wirklich umgesetzt werden.  Es weht ein optimistischer Wind durchs Land und alle hoffen, dass es mit der

Präsident, vergiss die kostenlose Schulbildung, und gratis medizinische Versorgung…  Sie wollen jetzt umsonst essen!

Wirtschaft endlich wieder einmal bergauf geht.  Der neue Präsident hat der Korruption den Kampf angesagt und wir dürfen schon positive Veränderungen feststellen. 

Vielleicht habt Ihr ja durch die Medien vernommen, dass in Kenia nun die Primar-schule gratis sei.  Doch  das Ganze ist nicht etwa gratis.  Man versucht, dass nicht mehr die Familien für die öffentlichen  Primarschulen das Schulgeld bezahlen, sondern, dass die Schulkosten vom Staat übernommen werden.  Dies ist nicht einfach umzusetzen - der Staat braucht dazu ungefähr 450 Mio. Sfr. (!) pro Jahr.  Die Kinder benötigen trotz allem noch Uniform, schwarze Schulschuhe, Schulsäcke, Schulbücher, Hefte und anderes Schulmaterial.  Auch die Lehrer wollen für extra Unterricht bezahlt werden.  Als wir Ende Januar nochmals neun Kinder in die Schule schickten, mussten wir ihnen sogar Stühle kaufen…  Die Regierung hofft, dass NGO’s und Hilfsorganisationen weiterhin Schulgeld für ihre Kinder in den öffentlichen Schulen bezahlen, da der Staat einfach nicht genug Geld hat.  So wurden auch wir angefragt und bezahlen nun weiterhin das Schulgeld.  Wie die Karikatur zeigt, warten leider all zu  viele Leute darauf, dass sie alles gratis bekommen werden und sind nicht bereit sich am Wiederaufbau von Kenia zu beteiligen.

Nun die aktuellsten Neuigkeiten:

Paul und Stian, Besucher aus Norwegen, haben im Dezember ein Lager für einen Teil unserer Kinder durchgeführt.  Zehn unserer Kinder und 30 Kinder aus Soweto verbrachten ein paar unvergessliche Tage am Lake Naivasha beim campen.  Viele dieser Kinder aus Soweto haben Nairobi fast noch nie verlassen, und sie genossen die Ausflüge, Spiele und die Gemeinschaft.  Auch das Essen war wichtig – sie konnten sich vier Tage so richtig satt essen. Abends sassen alle am Lagerfeuer, sangen, tanzten und erzählten Geschichten.

Im November des letzten Jahres sind vier unserer Kinder mit der Primarschule fertig geworden.  Wir sind froh, dass wir für sie gute Sekundarschulen gefunden haben.  Das ist überhaupt nicht selbstverständlich, da es nicht genug Plätze gibt…  Seit Januar schicken wir wieder 20 neue Kinder in die Schule.  Sie waren so stolz als sie ihre Uniform zum ersten Mal anziehen durften.                   

Immer wieder klopfen Leute an unsere Tür und bitten uns um Hilfe.  So kam auch Ende letztes Jahres eine weinende Mutter zu uns und bat um unsere Hilfe.  Jonny und ich haben vor einiger Zeit beschlossen, dass wir keine „neuen Fälle“ mehr annehmen, bevor unsere Sozialarbeiterin (Florence Kibicho) mit den Müttern,  Kindern und Nachbarn gesprochen hat. (Leider haben Mütter uns schon die grössten Lügengeschichten aufgetischt, damit wir ihnen helfen.)          

Die Geschichte, die diese Mutter mir erzählte, rührte mich und wir baten Florence nähere Informationen einzuholen.  Sie fand heraus, dass die Mutter vor ein paar Jahren einen Schreiner heiratete.  Zusammen hatten sie eine Tochter (Kendi).  Der Vater, ein fleissiger Mann hatte seine eigene Schreinerei und schaute gut zu seiner Familie.  Die kleine Familie hatte keine Sorgen und die Mutter erwartete zum Anfang 2001 das zweite Kind.  Doch ganz plötzlich und unerwartet verstarb der Vater. Kaum war die Beerdigung vorüber, da