Schon lange habt Ihr
nichts von uns gehört. Deshalb wollen wir Euch mit
diesem Brief auch wieder auf den neusten Stand bringen.
Es war schön viele von Euch zu sehen, als ich in der
Schweiz war und ich habe die Ferien in Norwegen und in
der Schweiz genossen.
Jonny ist gerade
wieder in Norwegen. Er ist am Arrangieren eines
Benefizkonzertes, das in einem Jahr stattfinden wird.
Ein bekannter norwegischer, christlicher Sänger hat sich
bereit erklärt in Stavanger gratis an einem Konzert
aufzutreten. Der Reinerlös wird unserem Bauprojekt
zugute kommen.
Unsere
amerikanischen Freunde (Ric und Jane Taylor) haben
Jonny auf Oktober für drei Wochen in die Staaten
eingeladen. Er hat dort die Möglichkeit in mehreren
Kirchen unsere Arbeit vorzustellen. Anfangs November
kommen Taylors auch wieder nach Kenia. Ric wird dann
unser Bauprojekt übersehen. Die Baupläne für die erste
Phase sind seit gut einem Monat bei der Stadtverwaltung
und wir warten nun auf die Baubewilligung. Die
Bewilligung für den Brunnen haben wir bekommen. Dies ist
nötig, denn seit langem haben wir drei Tage pro Woche
kein Wasser…
News aus Soweto…
► Achtzig
Kinder aus Soweto schicken wir in die Schule;
nachmittags, samstags und in den Ferien trifft man diese
Kinder im „Clubhouse“ an. Inmitten von Soweto mieten wir
einen einfachen Holzbau mit Blechdach, der fünf Zimmer
und eine Toilette hat. In den letzten fünf Jahren ist
das Clubhouse ein Zufluchtsort für die Kinder geworden.
Ein Ort, wo sie jeden Tag für ein paar Stunden Kinder
sein dürfen, wo sie ungestört ihre Hausaufgaben machen
können, ihren Interessen nachgehen dürfen (zeichnen,
basteln, singen, tanzen, Fussball spielen) und wo immer
jemand ein offenes Ohr für ihre Probleme und Nöte hat.
Doch langsam aber sicher platzt das Clubhouse aus allen
Nähten. Wir möchten nun ein Stück Land in Soweto kaufen
und unser eigenes Clubhouse bauen.
► Vor ein
paar Wochen sprach ich mit der leitenden Schwester der
Arztpraxis in Soweto, wo wir auch unsere kranken Kinder
hinbringen. Seit einiger Zeit kann die Praxis nun auch
den Aidstest durchführen. Von all den Leuten, die für
den Aidstest in die Praxis kommen sind ein Viertel HIV
positiv! Leider wissen wir nun auch von mehreren Mütter
unserer Kinder in Soweto, dass sie den Killervirus
haben. Erschreckende Zahlen und Statistiken! Manchmal
fühlen wir uns so hilflos!
►
Einige der Mütter
unserer Kinder in Soweto gingen nie zur Schule. Etwa
vor ein paar Monaten fragte Kwame, einer unserer
Mitarbeiter, die Mütter ob sie auch Lesen und Schreiben
lernen möchten. Fünf Mütter kommen nun dreimal
wöchentlich ins Clubhouse und sie pauken zusammen das
ABC. Es ist schön zu sehen, dass diese Mütter, die nie
die Möglichkeit hatten eine Schule zu besuchen, nun das
Interesse haben Lesen und Schreiben zu lernen.
►
Alle Schulkinder bekamen Anfangs August ein Zeugnis. Wir
beschlossen, dass wir von nun an gute Leistungen,
positive Fortschritte und saubere Uniformen belohnen. In
diesen Ferien hatten wir den ersten „Prize - Giving
day“. Die Kinder sangen, es gab ein paar Reden, die
Kinder erhielten Preise und zum Schluss gab es eine
Erfrischung für alle. Sogar viele Mütter kamen und waren
stolz auf ihre Kinder. Wir hoffen, dass wir die Kinder
durch die Preise ermutigen können und dass sie sich in
Zukunft noch mehr anstrengen. Denn der einzige Weg hier
in Kenia für eine bessere Zukunft führt über gute
Schulbildung.
Im Juli kam ein Team mit dreissig jungen Amerikanern für
einen Missionseinsatz nach Kenia. Ein paar Tage kamen
sie nach Soweto und verbrachten Zeit mit unseren Kinder.
Wenn man zum ersten Mal in einem Slum ist, bekommt man
Eindrücke, die man nicht so schnell wieder vergisst.
Eine junge Amerikanerin meinte:
„Die Kinder in Soweto
erstaunten mich. Ich war so beeindruckt von ihrer
Bereitschaft das Wenige, das sie haben, zu teilen. Ich
realisierte wie viel wir in Amerika einfach als
selbstverständlich voraussetzen. Ich denke an all die
Zeiten, wo ich mich über Kleinigkeiten beklage und dann
realisiere ich, dass diese Kinder nichts haben und sich
gleichwohl nicht beklagen. Sie sind so zufrieden mit dem
Wenigen, das sie haben und sie sind immer so freundlich
und aufgestellt. Es ist einfach zu sehen, welchen
Eindruck das Clubhouse an den Kindern hinterlässt. Es
ist ein grossartiger Ort, wo die Kinder Liebe erfahren
und positiv beeinflusst werden.“
News von unserer Grossfamilie in Doonholm
►
Kim, der Hausvater
arbeitete vier Jahre bei uns, doch im Februar kündigte
er, da er eine neue berufliche Herausforderung suchte.
Seit März haben wir nun einen neuen Hausvater
(Marshall). Er ist Wittwer mit zwei kleinen Kindern. An
seinen freien Tagen ist er immer bei seinen Kindern, die
bei Verwandten leben, anzutreffen. Er hat sich schnell
bei uns eingelebt und macht seine Arbeit gut.
Überhaupt sind wir
dankbar um all unsere Mitarbeiter. Sie kümmern sich
liebevoll um die Kinder und wir haben auch ein gutes und
freundschaftliches Verhältnis mit ihnen.
►
Sharon Khasandi lebt
seit bald 3 Jahren in unserer Grossfamilie. Ihre Mutter
starb vor gut drei Jahren und ihr Vater lebt noch in
Soweto. Obschon er nicht weit weg von uns lebt, besucht
er sie sehr selten; dieses Jahr kam er erst einmal für
ein paar Minuten an einem Sonntag auf Besuch. Sharon,
sieben jährig, geht nun in die erste Klasse. Sie geht
gerne zur Schule und hat Freude am Lernen. Vor kurzem
schrieb sie uns folgenden Brief:
Liebe
Marianne und lieber Jonny,
Ich
wünsche meiner Mutter Marianne und meinem Vater Jonny
einen schönen Tag. Ich liebe Dich Marianne und ich
liebe Dich Jonny.
Ich
wünsche mir, dass mein Vater ein guter Vater ist und
ich hoffe dass er nicht mehr trinkt, so dass er nicht
stirbt.
Von Sharon K.
Manche von Euch haben schon gehört,
wie ich erzählte habe, dass ein Menschenleben in Kenia nicht viel wert sei…
Folgender Bericht macht das wieder
einmal so richtig deutlich und ist tragischerweise kein Einzelfall, denn
praktisch tagtäglich kann man solche Geschichten hier in den Zeitungen lesen.
Romo war einer der Jungs, den wir am Anfang in unsere Grossfamilie aufnahmen.
Als er 1999 zu uns kam, schickten wir ihn in die achte Klasse. Schon als ganz
kleiner Junge lebte er auf der Strasse. 1994 kam er in ein Kinderheim und wurde
in die Schule geschickt. Als sich 1998 der Direktor dieses Heims mit dem Geld
davon machte, landete Romo für kurze Zeit wieder auf der Strasse. Dann kam er
zu uns. Sein Vater starb 1998 und seit seinem Tod hat die Mutter psychische
Probleme, lebt auf dem Land und kann sich in keiner Weise um ihre fünf Kinder
kümmern.
Kennedy(links
mit Marianne), der
Jüngste (12 jährig) lebt auch schon lange in unserer
Grossfamilie.
Romo schloss
die Primarschule mit einer guten Prüfung ab, und wir
fanden eine gute Sekundarschule für ihn. Sein Wunsch war
es einmal Ingenieur zu werden.
Doch nach einem Jahr
Sekundarschule wurden die Noten immer schlechter. Er
verschwand auch oft und blieb mehrere Tage weg. Kleider,
Bücher und anderes wurde auch mehrmals im Haus vermisst
und alles deutete daraufhin, dass Romo der Dieb war.
Immer wieder sprachen wir mit ihm, gingen mit ihm in die
Schule, lösten die Probleme und gaben ihm eine neue
Chance. Im dritten Jahr der Sekundarschule waren seine
Noten so schlecht, dass er nicht mehr in der Klasse
bleiben konnte. Wegen seinem Alter (er war der Älteste
in seiner Klasse) wollte er die Klasse nicht wiederholen
und so mussten wir ihn aus der Schule nehmen. Gemeinsam
versuchten wir eine andere Lösung für seine Zukunft zu
finden. Doch am Weihnachtsmorgen 2002 ging er aus dem
Haus und kam abends nicht zurück. Niemand wusste
wohin er gegangen war.
Beim Durchsuchen des
Zimmers fanden wir heraus, dass all seine Habseligkeiten
auch weg waren. Nach einiger Zeit hörten wir, dass er
sich in einem Slum in unserer Nähe niedergelassen hatte.
Leider hörten wir auch andere Geschichten… Er sei
kriminell geworden, sei oft in Schlägereien verwickelt,
konsumiere
Chang’a (verbotenen, billigen, aber hochprozentigen
Alkohol) in rauen Mengen und auch Haschisch und andere
Drogen.
Nach einiger Zeit fand ihn die Polizei, nahm ihn fest
und er verbrachte zwei Monate in einem Gefängnis.
Nachdem er wieder frei war, kam er uns mehrmals besuchen
und wir versuchten ihm zu helfen. Er fand auch
Gelegenheitsarbeiten, und konnte so für sich sorgen. Im
März dieses Jahres kam er zu uns und bat uns, ihm eine
letzte Chance zu geben. Er wisse jetzt, dass er viele
Fehler gemacht hätte, und er einen Neuanfang machen
möchte. Er wolle eine Lehre absolvieren. (Lehrstellen
wie in der Schweiz gibt es hier nicht. Aber es gibt
Berufsschulen, die man bezahlt, wo Praktisches und
Theorie gelehrt wird.) Eine Schule, wo er Mechaniker
lernen konnte, wurde gefunden. Er wurde dort aufgenommen
und er ging freudig hin.
Wir gaben ihm auch
wöchentlich für seine Mahlzeiten Geld und samstags kam
er nach Soweto um den Fussballteams zu helfen, denn Romo
war auch ein begeisterter Fussballspieler. Vier Monate
ging alles gut, er fehlte kaum und wir freuten uns über
die positiven Berichte aus der Schule. Doch Ende Juli
begann er die Schule zu schwänzen. Wieder versuchten wir
mit ihm zu sprechen und zu helfen. Wir hatten auch den
Verdacht, dass er wieder Drogen nahm. Vor ein paar Tagen
kamen früh morgens Strassenjungs zu unserem Haus mit der
Nachricht, dass Romo tot sei. Wir schickten jemanden mit
ihnen um herauszufinden was passiert war. Ein paar
Stunden später wurde uns folgendes erzählt:
Romo gehörte zu einer
Diebesbande, die vor allem frühmorgens Frauen
terrorisierte und ausraubte. Auch an diesem Morgen
hatten sie zu dritt eine Frau, die auf dem Weg zum Markt
war, mit einem langen Messer bedroht und ihr Geld
gestohlen. Als die Jungs mit ihrer Beute weg gingen,
schrie die Frau „Mwizi“ (Dieb) und Leute kamen angerannt
und verfolgten die Jungs. Eine heisse Verfolgungsjagd
fand statt und schliesslich wurde einer der Jungs
gefasst. Für Diebe, die von einer zornigen Menschenmenge
gefasst werden, bedeutet dies das Todesurteil. Es wird
nicht auf die Polizei gewartet, die Person wird von der
wütenden Menge verurteilt und hingerichtet. Das Volk
traut der Polizei nicht mehr, denn Schuldige können die
Polizei bestechen und sind nach kurzer Zeit wieder auf
freiem Fuss. Doch oft werden so auch zu unrecht
verdächtigte Leute verurteilt und umgebracht. Der
Jüngling wollte nicht alleine sterben und verpfiff einen
seiner Komplizen, der nicht weit weg im hohen Grass
versteckt war. Dies war Romo, und als die Menge ihn zu
fassen versuchte, wehrte er sich wie wild mit seinem
langen Messer und verletzte mehrere Menschen. Als sie
ihn schliesslich packten, wurde er mit seinem eigenen
Messer hingerichtet und anschliessend wurden die zwei
jungen Männer angezündet. Als die Polizei kam, konnten
sie nichts mehr machen, denn die zwei waren komplett
verbrannt. Die Diebesbeute an diesem Morgen war 500KSH
(ungefähr soviel wie 8SFR)…
Der Schock war für
uns alle gross, als wir diese Geschichte erfuhren.
Natürlich waren wir auch enttäuscht. Wir hoffen nun
einfach, dass die anderen Jungs von diesem tragischen
Zwischenfall lernen und die Chance, die sie bekommen,
wahrnehmen.
In der Schweiz gibt
es seit dem Jahr 2000 den Verein „Masemi Schweiz“, und
wir möchten ihn gerne kurz vorstellen:
Hauptaufgabe des
Vereins ist es, den „Maisha Mema Child Sponsorship
Program“
sowohl finanziell, materiell als auch organisatorisch
zu unterstützen. Ziel ist es Maisha Mema Child
Sponsorship Program in der Schweiz bekannt zu machen, Spender zu
akquirieren und Patenschaften zu vermitteln.
Mitgliedschaft
Mitglieder von
Masemi Schweiz sind Einzelpersonen und Organisationen.
Die Mitgliedschaft erfolgt mit einer schriftlichen
Beitrittserklärung. Der Mitglieder-beitrag für
Einzelpersonen pro Jahr beträgt Fr. 10. -- (ab 2005:
Fr. 20.--) und für Organisationen Fr. 100.--.
Vorstand
Dieser besteht ab
01.09.2004 aus folgenden Personen:
Wenn jemand nach
Nairobi reist, kann allenfalls ein Kontingent an
Übergepäck bei der Fluggesellschaft beantragt werden,
um Medikamente, Kleider, Schuhe, Schulbücher,
Sportkleidung, Bälle, etc. kostenlos nach Nairobi zu
transportieren. Bitte unbedingt mit Matthias Tödtli
(071/414 50 83 oder matthias.toedtli@surprise-reisen.ch)
in Kontakt treten.
Sekretariat
Am Dändlikerweg 53,
3014 Bern wird das Sekretariat von Isabel Jordi-Ertler
geführt. Dieses gibt gerne Auskunft für alle
anfallenden Fragen (031/333 55 93 oder imjordi@datacomm.ch)
und nimmt auch gerne Anfragen zur
Mitarbeit/Unterstützung des Vereins entgegen.
Kontoverbindung
MASEMI Schweiz
3014 Bern
PC-Konto
30-168657-6
Liebe Freunde, wir sind dankbar, wenn Ihr an uns, an die
Kinder, an unsere Mitarbeiter und an unsere Pläne in
Euren Gebeten denkt! Wir danken auch ganz herzlich für
all Eure Unterstützung.
Mädchen in Soweto
Mit
lieben Grüssen!
Marianneund Jonny
Rundbrief
Januar 2004
Liebe Freunde!
Schon wieder sind drei Monate vergangen
seit dem letzten Rundbrief. Herzlichen Dank an alle, die
uns geschrieben haben und an alle, die uns und unsere
Arbeit unterstützen. Anfangs Januar fing ein neues
Schuljahr an - vieles musste vorbereitet und eingekauft
werden. Nun sind wir froh, dass es tagsüber etwas
ruhiger ist, da die meisten Kinder in der Schule sind.
Sogar die kleine Sharon geht nun zur Schule (in die
„Baby-Klasse“).
Miss Kenia mit Tete (die gerade mit der 8. Klasse
fertig wurde)
Im
Dezember besuchten mehrere Kinder aus unserer
Grossfamilie Verwandte. Sie waren aber alle vor
Weihnachten wieder zurück, denn dieses Jahr gab es eine
besondere Weihnachtsüberraschung. Unsere Kirche (Nairobi
Chapel) unterstützt jedes Jahr an Weihnachten ein
Kinderheim. Dieses Jahr waren wir an der Reihe. So
besuchten uns am Sonntag, 21. Dezember, über 50 Leute
von Nairobi Chapel, und wir verbrachten zusammen einen
unvergesslichen Nachmittag. Unsere Kinder sangen und
tanzten für die Besucher. Danach gab es ein Zvieri und
eine Bescherung für unsere Kinder. Wie sich alle freuten
über die Geschenke, die sie bekamen! Der Höhepunkt
mancher Kinder war, dass Nairobi Chapel die amtierende
„Miss Kenia“ eingeladen hatte. Eine Schönheitskönigin
live zu sehen und sogar mit ihr zu sprechen, das war
ganz speziell! Natürlich wollte jedes Kind ein Photo
zusammen mit Miss Kenia.
Fernsehreporter zeichneten die
Veranstaltung auf, und zwei Tage später sahen wir einen
15 Sekunden Ausschnitt in den Nachrichten.
Leben in Soweto…
Ob man
einenTag in Soweto verbringt oder in einem der
anderen unzähligen Slums von Nairobi, das macht
eigentlich keinen Unterschied. Erschreckende Armut,
erbärmliche Wohnverhältnisse, blockierte
Abwassersysteme, meterhohe Abfallberge und
Massenarbeitslosigkeit. Die Bewohner haben meistens
keine Ausbildung, die meisten können kaum lesen und
das Schreiben beschränkt sich oft auf den eigenen
Namen. Die Ernährer in der Familie (leider fast immer
die Mutter) müssen sich meistens mit
Gelegenheitsarbeiten durchschlagen. Die Mehrzahl der
Mütter, deren Kinder wir in die Schule schicken, ist
alleinerziehend. Durchschnittlich hat eine Frau in
einem Slum sechs Kinder, und oft haben die Kinder
verschiedene Väter. Ein Vater (oder Onkel, wie er in
den meisten Fällen genannt wird…) wohnt manchmal nur
ein paar Monate bei ihnen. Die Sorge für die Familie
tragen somit die meisten Mütter alleine. Die Arbeiten
(um Geld zu verdienen) sind hart: Wasser zu Baustellen
schleppen; Essen für Bauarbeiter kochen; im
Industrieviertel während einer 10 Stunden Schicht
irgendwelche Fliessbandarbeit machen; Wäsche waschen
und Putzen; Feld – und Gartenarbeit verrichten;
Kehrrichtberge durchkämmen und Wiederverwertbares
verkaufen oder mit irgendetwas (Gemüse, Früchte,
Paraffin, Holzkohle, Altkleider,...) handeln. Nicht
selten kommt es vor, dass die Ernährer ein bis zwei
Wochen keine Arbeit finden. Dies hat natürlich
traurige Konsequenzen für die ganze Familie… Die
Erwachsenen sind gereizt. Oft gibt es Streit und
Schlägereien. Der unerlaubte, billige und nicht
ungefährliche Alkohol wird in rauen Mengen konsumiert,
doch es kommt kein Essen auf den Tisch, so dass manche
Kinder weglaufen und versuchen sich alleine
durchzuschlagen.
Ein
Taglöhner verdient im Schnitt 150KSH (das sind weniger
als 3SFR!). Ein Zimmer in Soweto kostet pro Monat
300KSH (ein armseliges Zimmer, wo es während der
Regenzeit reinregnet und der Boden nur aus gestampfter
Erde ist) bis 1000KSH (in einem Steinhaus mit
betoniertem Boden). Dann könnte man noch billigere
Zimmer mieten (200KSH), aber die sind dann ohne
Toilette (da muss man dann ganz kreativ sein…). Oft
lebt und schläft die ganze Familie in einem Zimmer.
Bett gibt es meistens eines, dort schläft die Mutter
mit den jüngsten Kindern. Die anderen schlafen
verstreut am Boden auf einer Matratze. Nachdem die
Jungs (ca. 16 jährig) beschnitten sind, ist es für sie
tabu im gleichen Zimmer wie ihre Mütter zu
übernachten.
Nebst
der Miete braucht man täglich Wasser. In Soweto gibt
es öffentliche Wasserhähnen, wo man mit eigenen
Plastikcontainern Wasser holt. 20 Liter kosten
ungefähr 5KSH. Praktisch alle Leute in Soweto haben
keinen Strom. Sie behelfen sich mit Paraffinlampen und
kochen meistens auch mit Paraffin. Ein halber Liter
Paraffin kostet 20KSH. Je nach Grösse der Familie und
wie viel man kocht, reicht dies für zwei bis drei
Tage. Dann muss noch für das Abendessen eingekauft
werden (Grundnahrung: Grünes Blattgemüse und Maismehl
70KSH). Das Frühstück besteht oft aus den Resten vom
Vorabend mit ungesüsstem Schwarztee. Ein halber Liter
Milch (25KSH), ein Brot (22KSH) und Zucker (1kg für
45KSH) sind schon Luxusartikel. Der Tageslohn verlässt
die Taschen mit einem Riesentempo. Viele Familien
hoffen, dass sie nicht unerwartet Besuch bekommen,
sonst müssten sie noch tiefer in die Tasche greifen.
Es ist
deshalb verständlich, dass die Kinder manchmal nur die
Kleider besitzen, die sie am Leibe tragen, dass sie
hie und da hungrig sind und meistens in Slippers (Flip
Flops), die kaputt oder geflickt sind, herumrennen.
Sie sind auch anfälliger für irgendwelche Krankheiten
und keine Woche vergeht, wo wir nicht mindestens zwei
oder drei Kinder zum Arzt bringen.
Zu
Beginn unserer Arbeit gaben wir den Kindern immer eine
Mahlzeit. Doch dann sahen wir uns gezwungen
aufzuhören, weil manche Mütter ihre Verantwortung
nicht mehr wahrnahmen und meinten, dass die Kinder ja
eine Mahlzeit gehabt hätten, und es ja nichts mache,
wenn sie kein Abendessen bekämen… Letztes Quartal
haben wir nun damit begonnen, all unseren Kindern aus
Soweto (75 zur Zeit) wenigstens zweimal wöchentlich
ein Mittagessen in der Schule zu ermöglichen. Die
Kinder sind froh, wenn sie so richtig gesättigt zurück
in die Klasse gehen können.
Im
letzten Jahr hatten wir auch einige neue Kinder, die in
unserer Grossfamilie ein Zuhause fanden. Die zwei
neusten Kinder sind die Geschwister Alice Muthoni
(9jährig) und Paul Kamau (7jährig). Sie lebten mit ihrer
Mutter in Soweto. Im Januar 2003 schickten wir Alice in
die 1. Klasse und Paul in die Vorschule. Die Mutter
trank und verkaufte Chang’a (verbotener, billiger, aber
starker Alkohol). Oft schickte sie Alice um Chang’a zu
kaufen, denn die Polizei würde ein kleines Kind nicht
anhalten oder seine 3-Liter Plastikflasche verdächtig
finden. Als sich Alice bei der Mutter über den Chang’a
Einkauf beschwerte, wurde ihr gesagt, dass es ohne
Chang’a - Besorgungen eben auch kein Essen für sie gäbe.
Vor gut zwei Jahren, als Alice und Paul anfingen ins
Clubhouse zu kommen, benahm sich Paul an den meisten
Vormittagen komisch. Unsere Mitarbeiter fanden heraus,
dass Paul morgens oft beschwipst war. Auf der Suche nach
etwas Essbarem im Haus leerte er die Gläser, die im Haus
herumstanden und noch kleine Resten von Chang’a
enthielten. Es ist möglich, dass der Alkohol sein Gehirn
angegriffen hat, da er in der Schule grosse Mühe mit dem
Lernen hat. Die Mutter war immer wieder krank, und Alice
musste sich um sie und den jüngeren Bruder kümmern. Oft
fehlte sie deshalb in der Schule. Im Oktober, als unsere
Sozialarbeiterin die Familie besuchte, sassen die Kinder
neben der kranken Mutter und weinten. Die Mutter konnte
niemanden erkennen und phantasierte die ganze Zeit. Wir
beschlossen sie ins Spital zu bringen, und nach mehreren
Untersuchungen wurde sie in eine psychiatrische Klinik
eingewiesen. Dort blieb sie etwa sechs Wochen und wurde
anschliessend zu ihrer Mutter aufs Land gebracht. Sie
ist nicht in der Lage nach Soweto zurückzukommen oder
sich um ihre Kinder zu kümmern. Die zwei Geschwister
haben sich aber ganz schnell bei uns eingelebt und
fragen kaum je nach ihrer Mutter…
Wir sind gespannt, wenn wir daran denken, was für dieses
Jahr geplant ist:
►Vor
ein paar Tagen ist unsere erste Besucherin angekommen.
Eine junge Norwegerin, die 10 Wochen bei uns lebt und in
Soweto aushilft. Wir erwarten eine Anzahl Besucher
dieses Jahr, und freuen uns über die Abwechslung.
►Ende
Februar kommen 12 – 15 Norweger für zehn Tage Urlaub
nach Kenia. Wir haben ein Programm ausgearbeitet und
werden mit ihnen auf Safari und an die Küste gehen. Sie
werden aber auch einen Einblick in unsere Arbeit
bekommen.
►Im
Moment sind in den USA Vorbereitungen im Gange, damit
ungefähr 25 Jugendliche im Sommer einen Missionseinsatz
bei uns machen können.
►Reisen
steht auch für uns dieses Jahr auf dem Programm. Jonny
wird Ende März mit Fred, einem unserer Mitarbeiter nach
Norwegen gehen. Dort werden sie bei verschiedenen
Anlässen über unsere Arbeit sprechen. Ende Mai wird
Jonny wieder nach Kenia kommen. Marianne wird Mitte Mai
in die Schweiz fliegen.
►Wir
hoffen auch Mitte Jahr mit der ersten Bauphase zu
beginnen.
Muthoni und Paul bekommen zum ersten Mal ein
Weihnachtsgeschenk…
Unser Alltag ist nicht immer einfach. So
oft werden wir mit Lügen, Betrug und Diebstahl
konfrontiert, und um die Wahrheit herauszufinden,
braucht es eigentlich einen Detektiv… Für die meisten
hier ist es nichts Falsches, wenn man lügt. Lügen ist
nur dann falsch, wenn es herausgefunden wird… Wir sind
dankbar, wenn Ihr uns, unsere Arbeit und unsere Pläne in
Euren Gebeten mittragt.
Mit
herzlichen Grüssen!
Marianneund Jonny
Rundbrief
Oktober 2003
Liebe Freunde!
Viel ist
in den letzten Monaten passiert - Schönes aber auch
weniger Erfreuliches. Mit diesem Brief möchte ich Euch
einmal mehr einen Einblick in unsere so
abwechslungsreiche Arbeit geben.
Anfangs August hatten
wir für eine Woche ein sechsköpfiges Missionsteam aus
den Staaten beiuns. Sie arbeiteten in
Soweto mit unseren Kindern, und wir nahmen sie in
mehrere Schulen mit, wo sie das Evangelium verkündeten.
Sie verbrachten auch zwei Abende mit unserer
Grossfamilie. Unsere Kinder und Mitarbeiter waren durch
diesen Besuch sehr ermutigt. Der Abschied fiel nicht nur
dem Missionsteam schwer, auch eine Anzahl unserer Kinder
weinten als die Besucher gingen. Julius – einer unserer
Mitarbeiter - meinte, dass wir noch nie Besucher gehabt
hätten, die so auf die Kinder eingegangen seien und
ihnen so viel Liebe gezeigt hätten. Wir hoffen nun, dass
sich daraus eine Langzeit - Partnerschaft entwickelt.
Eigentlich wollte ich Ende August, so
wie letztes Jahr, mit Lehrern für ein paar Tage nach
Mombasa fahren. Doch kurzfristig musste ich die Reise
absagen, denn zwei Tage davor erhielt ich die Nachricht,
dass der kleine Bruder einer Familie, von der wir drei
Kinder unterstützen, gestorben sei. Er ist daheim im
Bett - in der Nacht - eingeschlafen. Der Vater war auch
schon seit 10 Tagen im Spital, und er hatte am Vortag
seiner Tochter gesagt, dass er mich noch einmal sehen
möchte. So gingen Flo (unsere Hausmutter) und ich am
Freitagmittag ins Kenyatta Spital. Ein Riesenspital,
teilweise staatlich finanziert, ziemlich günstig, doch
der Service lässt zu wünschen übrig… Wir wussten, auf
welcher Etage sich der Vater befand, so machten wir uns
auf die Suche nach ihm. Nachdem wir in unzählige Zimmer
hineingeschaut hatten und uns eine Krankenschwester auch
nicht weiterhelfen konnte, warteten wir auf seine Frau,
die uns zu ihm brachte. In den meisten Betten fand man
zwei Patienten, und mehrere Personen mussten auf
Matratzen am Boden liegen oder in Betten in den Gängen.
Der Gestank und der Dreck waren unvorstellbar… Alleine
hätten wir ihn wirklich nicht gefunden oder ihn wieder
erkannt. Dieser 45 jährige, grosse, stämmig gebaute Mann
war nur noch ein Häufchen Elend. Innert kürzester Zeit
war er bis auf Haut und Knochen abgemagert. An diesem
Tag hatte er nicht einmal mehr die Kraft zu sprechen.
Wir standen etwa eine halbe Stunde um sein Bett, und er
wurde in dieser Zeit noch schwächer und starb. Was für
ein Schock für seine Frau am gleichen Tag Ehemann und
Sohn zu verlieren. Wir brachten sie heim und hatten die
undankbare Arbeit, die traurigen Neuigkeiten den Kindern
zu überbringen.
In dieser Familie schicken wir Emily,
17-jährig, in die Sekundarschule. Irene hatten wir in
die Primarschule geschickt, doch sie hatte sehr
schlechte Noten, deshalb wollte der Vater, dass sie
nochmals die achte Klasse wiederholt. Sie ist jetzt bei
der Grossmutter auf dem Land und wiederholt das achte
Schuljahr. Edwin, sieben-jährig, schicken wir in die
erste Klasse. Die Mutter ist erst 25 Jahre alt (Sie ist
die Stiefmutter von Irene und Emily). Die erste Frau
starb vor mehreren Jahren. Mit der zweiten Frau hatte
der Vater drei Kinder. Er hatte vor sechs Jahren einen
Unfall und ein Bein musste amputiert werden. Beide
Elternteile waren arbeitslos und hatten viel Mühe die
grosse Familie zu versorgen. (Im Ganzen hatte der Vater
10 Kinder, doch fünf sind gestorben.)
Vor etwa anderthalb Jahren hat uns
der Vater gesagt, dass er sich Sorgen um seine Familie
mache, denn er wusste, dass er HIV positiv war. Die
Krankheit war schon in fortgeschrittenem Stadium und er
wusste, dass er nicht mehr allzu lange zu leben hatte.
Auch der Sohn ist an Aids gestorben. Leider ist auch die
Mutter HIV positiv, und eines Tages wird auch sie an
dieser Krankheit sterben…
Im ganzen Land gibt es massive
Aufklärungskampagnen, in allen öffentlichen
Schulversammlungen muss über HIV/Aids geredet werden.
Doch leider wird es in den nächsten Jahren nicht besser
werden, denn Kenia hat eine sehr hohe Aidsrate, in
manchen Teilen des Landes ist eine von vier Personen HIV
positiv.
Bedauerlicherweise wird hier vielen
Leuten bei ihrem Tod viel mehr Ehre zugewiesen, als sie
in ihrem Leben je bekamen. Viele sind bereit, sich in
riesige Schulden zu stürzen, um den Verstorbenen eine
würdige Beerdigung zu geben. So ist es auch bei den
Luos, dem Stamm dieser Familie. Für sie ist es wichtig,
dass die Beerdigung auf ihrem Land stattfindet und nicht
auf einem öffentlichen Friedhof in Nairobi. Die Familie
kommt von der Gegend um den Viktoriasee. Dies ist eine
etwa siebenstündige Autofahrt von Nairobi aus.
So
versuchten Angehörige und Freunde drei Wochen lang
genügend Geld zu sammeln, um die zwei Leichname aufs
Land zu transportieren. Verschiedene Rituale mussten
befolgt werden. Für uns „Weisse“ ist manches sehr schwer
oder gar nicht zu verstehen. So auch das Wehklagen der
Angehörigen aus diesem Stamm, es geht einem durch Mark
und Bein. Die Verwandten befahlen der Ehefrau, bevor die
Beerdigung überhaupt stattfinden konnte, ein Haus zu
bauen. Da die Familie so arm ist, haben sie auf dem
Gelände seiner Eltern nie ein Haus (oder eine Hütte)
gebaut. Die Tradition gebietet aber, dass der Leichnam
eine Nacht in ihrem Haus sein muss, bevor er beerdigt
werden kann. Alles getan und die Vorschriften befolgt,
wurden beide gut drei Wochen nach ihrem Tod begraben.
Die Kinder sind nun wieder in der Schule, doch die
Ehefrau muss einen Monat auf dem Land bleiben um zu
trauern. Danach kommt sie wieder zurück nach Nairobi um
für ihre Familie zu sorgen.
Neues aus unserer Grossfamilie…
In
unserer Grossfamilie hat es im letzten Monat auch
Änderungen gegeben. Schon lange fanden wir, dass der
Platz einfach sehr knapp ist. So beschlossen wir für
die grossen Jungs (18 jährig und älter) eine Wohnung
zu mieten. Sie geniessen es nun ihre eigene Wohnung zu
haben und damit auch mehr Freiheit. Unser Ältester,
der mit der Sekundarschule fertig ist, hat die
Verantwortung für die anderen Jungs. Sieben Jungs
haben wir ausquartiert, davon sind aber vier in einer
„boarding-school“, und nur während den Ferien daheim.
Im
vergangenen Monat haben wir aber wieder drei neue
Jungs und drei Mädchen aufgenommen und so hat unsere
Grossfamilie nun fünf Jungs und 18 Mädchen. Das
Durchschnittsalter ist gesunken, fast die Hälfte der
Kinder ist nun zwischen 10 und 13 Jahren.
Flo,
unsere Hausmutter, die nun fast vier Jahre bei uns
war, verliess uns Ende September. Verständlicherweise
waren die meisten Kinder etwas traurig, dass sie ging.
Doch wir sind dankbar über einen reibungslosen
Übergang, denn wir haben rechtzeitig eine neue
Hausmutter gefunden. Sie heisst Helen, ist eine sehr
tüchtige Frau, und die Kinder haben sie schnell lieb
gewonnen.
Zwei
der Mädchen (elfjährige Zwillinge), die wir vor drei
Wochen aufgenommen haben, hatten wir schon in den
letzten zwei Jahren in die Schule geschickt. Doch die
Mutter, eine alleinerziehende Frau mit acht Kindern,
hat sehr wenig Verantwortung für ihre grosse
Kinderschar übernommen. Immer wieder hat unsere
Sozialarbeiterin mit ihr gesprochen. Dann änderte sie
sich für ein paar Tage und verfiel wieder in den alten
Trott. Oft vertrank sie das wenige Geld, das sie durch
Gelegenheitsarbeit verdiente, und die Kinder mussten
hungrig ins Bett. Im August hat sie überhaupt keine
Verantwortung mehr für ihre Kinder übernommen, sie war
nur noch daheim zum schlafen, und die Zwillinge
mussten auf die vier jüngeren Kinder aufpassen und für
sie sorgen. Die Mutter bezahlte auch die Hausmiete
nicht mehr, und der Vermieter kam und schloss die
Hütte zu. Da mussten die Kinder bei ihrer Nachbarin
Unterschlupf finden. Die hatte selber auch schon acht
Kinder und wohnte in einer winzigen Hütte. Die
Zwillinge kamen zu uns und baten um Hilfe. Wir sahen,
dass die zwei nur eine Zukunft hatten, wenn man sie
aus der Umgebung herausnahm. Sie kamen mit ganz
schmutzigen, alten Kleidern zu uns, und sie waren so
stolz, als wir mit ihnen Kleider und Schuhe kauften.
Da fingen sie plötzlich an sich dreimal am Tag neu
anzuziehen. Vorher konnten sie sich nur selten und nur
mit ganz wenig Wasser waschen, ihr könnt Euch nicht
vorstellen, wie viel Dreck und Flöhe weggeschrubbt
wurden… Bei den Mahlzeiten solltet Ihr die Riesenberge
sehen, die sie auf ihre Teller schöpfen… Ein Zwilling
war in dieser kurzen Zeit schon krank und klagte auch
über Zahnschmerzen. Der Arzt fand Amöben, und der
Zahnarzt musste einen Zahn ziehen und zwei Zähne
flicken. Der Zahn, der gezogen werden musste, war nur
noch ein brauner Stumpf. Dieser Zahn hatte schon lange
weh getan, und die Mutter hatte zur Linderung
Batteriesäure darauf gelegt. Scheinbar ist dies ein
beliebtes und nicht harmloses Mittel in den Slums, das
gegen Zahnschmerzen angewendet wird… Jetzt dürfen die
Zwillinge wieder sorglose Kinder sein, mit anderen
spielen, jeden Tag in die Schule gehen und immer genug
zum Essen und ein bequemes Bett zum Schlafen haben…
Sollte
nicht jedes Kind ein Recht auf Liebe, Geborgenheit,
Sicherheit, Fürsorge und Schutz haben? Manchmal werden
wir so wütend, wenn wir sehen, wie viele Kinder hier
behandelt werden und wie wenig wert ihr Leben hat.
Wir sind froh, dass
wir dank Eurer Unterstützung das Leid einiger Kinder
lindern dürfen. Herzlichen Dank an alle, die an uns
denken, uns unterstützen und für uns und unsere Arbeit
beten. Ohne Euch könnten wir es nicht tun. Ihr helft uns
Mt 18,5 umzusetzen. Jesus sagte:
„Wer ein Kind mir
zuliebe aufnimmt, der nimmt mich auf.“
Mit
herzlichen Grüssen!
Marianneund Jonny
Rundbrief
Ende
Juli 2003
Liebe Freunde!
Das
Wetter hat dieses Jahr verrückt gespielt. Anfangs Jahr
hat das Thermometer Hitzewerte wie noch nie zuvor
registriert und während der Regenzeit hat es wie aus Kübeln
geschüttet. An vielen Orten gab es Überschwemmungen,
Tausende wurden obdachlos und verloren ihr ganzes Hab
und Gut. Nun hat der kälteste Monat angefangen –
Winter in Kenia. (Das bedeutet, dass ich an manchen
Tagen einen Pullover tragen muss.J)
Anfangs
Juni, als Jonny und ich etwas europäische Luft in einem
Einkaufszentrum schnupperten (und auch Käse, Wurst und
anderes einkauften, das man sonst nicht findet), trafen
wir ein älteres, amerikanisches Missionarsehepaar, das
ich 1991 kennen gelernt habe, als ich bei den Covenant
Players war. Der Kontakt blieb immer, doch irgendwie
verloren wir uns in den letzten drei Jahren aus den
Augen. Sie sind dabei ein neues Wirkungsfeld zu suchen.
Wir erzählten von unserer Arbeit. Sie besuchten uns und
wir nahmen sie mit ins Slum, wo der grösste Teil
unserer Arbeit stattfindet. Wisst Ihr, womit er sein
Leben lang Geld verdient hat? Er war Bauführer und hat
sich nun anerboten unser Bauprojekt zu übersehen.
Für
uns ist dies eine tolle Gebetserhörung! Er kam auch mit
uns zum Architekten, da wir einiges an den Plänen ändern
möchten. Er erzählte dem Architekten von den Kindern
in Soweto und von unserer Arbeit, so dass der Architekt
nicht anders konnte, als die Änderungen gratis zu
machen. (Es hätte umgerechnet mindestens 2500 sFr.
gekostet!) Jonny und ich kamen ganz überwältigt aus
dem Büro! Jetzt treffen wir uns mindestens einmal in
der Woche mit diesem Ehepaar. Wir gehen miteinander
essen und haben einfach gute Gemeinschaft. Ich merke
auch, wie mir in den letzten vier Jahren der Kontakt zu
„Weissen“ gefehlt hat, und wir sind so froh und
ermutigt durch diese Freundschaft.
Oft
hofften wir, dass wir schon früher das Geld zusammen hätten
um bauen zu können. Aber die Zeit war einfach noch
nicht reif. Es tut gut zu wissen, dass Gott den
richtigen Zeitplan hat! Ende August geht Jonny wieder für
fünf Wochen nach Norwegen. Diesmal wird er das
Bauprojekt vorstellen. Bitte betet mit uns, dass er mit
den nötigen Finanzen zurückkommt, damit wir anfangs
2004 mit der ersten Bauphase beginnen können.
Ohne
unsere Mitarbeiter könnten wir unsere Arbeit nicht tun.
Wir sind dankbar für ihre Treue und Hingabe, denn sie
helfen mit, unser Motto umzusetzen:
„Join
us to make a positive change in a child’s life“
(Kommt
und helft uns ein Kinderleben positiv zu verändern).
Ich
möchte Euch einen kleinen Einblick in den Alltag einer
unserer Mitarbeiterinnen (Mkala) geben. Mkala pflegt
Kontakte zu den Müttern der Kinder in Soweto. Sie
besucht sie oft und hilft ihnen. In ihrem Rapport lesen
wir folgendes: 5.
April: „Ich und vier andere Mütter besuchten Mama
A. (die Mutter von A.), die krank ist. Wir
ermutigten sie und beteten für sie.“ 7.
April: „Besuchte Mama A. Sie hat mir
anvertraut, dass sie HIV+ ist. Sie ist schwach. A.
(11 jährig) hilft der Mutter.“ 6. Mai: „Besuchte Mama A. Sie zeigte mir ihre Papiere, die
ihren HIV-Status bestätigen. Ich habe sie ermutigt und
wir sind nun wirklich befreundet.“ 12.
Mai: „Besuchte Mama A. und ermutigte sie.
Sie
scheint ihre Situation besser zu akzeptieren.“ 13.Mai:
Besuchte Mama A. als erste am Morgen. Es geht ihr
besser und sie scheint ihren Zustand zu akzeptieren.“ 14.
Mai: „Besuchte Mama A. Sie kann sogar lächeln.“
20.Mai: „Besuchte Mama A. Sie zeigte mir einen Brief, der sie
ans Kenyatta Spital verweist.“
Der
Zustand von Mama A. ist ungefähr immer gleich.
Sie
macht sich Sorgen um die Zukunft ihrer Tochter, denn sie
hat keine nahen Verwandten mehr. Wir haben nun zusammen
mit ihr beschlossen, dass wir in der nahen Zukunft A.
in unsere Grossfamilie aufnehmen werden.
Fred, ein
Architekturstudent, verdient sich sein Studium, indem er
in seiner Freizeit und während den Ferien bei uns
mitarbeitet. Er ist ein aufgestellter, junger Mann, der
sich vor allem um zwei der Fussballteams kümmert.
Er
meinte kürzlich folgendes über seine Arbeit: „Die
Jungs sind mein Leben. Sie sind meine Freude, meine
Frustration, meine Ermutigung und meine Freizeit. Sie
haben viele Schwierigkeiten: Sie haben lose
Familienbande, sie spielen ohne
Fussballschuhe
(öfters gibt es
Wunden…), sie werden beim Spielen ausgebuht, Hunger ist
ein Teil ihrer Diät - doch gleichwohl stehen sie immer
wieder auf. Sie sind immer in meinem Gebet, ich wüsste
nicht, was ich ohne die 24 Jungs tun würde - das Leben
ist ein Rätsel.
Ich dachte nie, dass ich so eng verbunden sein könnte,
da ich immer eine unabhängige Person gewesen bin.
Wenn ich über meine Zukunft nachdenke, muss ich auch an
ihre Zukunft denken. Wir werden sehen, was uns
erwartet.“
Virginia
ist ein 14 Jahre altes Mädchen, das längere Zeit im
Klubhaus war und mit ihrer Tante in Soweto lebte.
Anfangs Jahr schickten wir sie in die 5. Klasse.
Sie
war froh, endlich wieder in der Schule zu sein,
strengte sich an und war nach nur einem Quartal eine
der Besten. Ihre Mutter galt lange als verschollen,
und die Verwandten hatten Virginia gesagt, dass die
Mutter tot sei. Letztes Jahr wurde aber die Mutter
wieder gefunden und der Schock war gross, als Virginia
herausfand, dass ihre Mutter lebt. Die Mutter ist aber
meist krank (epileptische Anfälle) und kann sich
nicht um die Tochter kümmern. Im Dezember kam die
Grossmutter und wollte, dass Virginia mit ihr aufs
Land kommt und beschnitten (FGM = Female Genital
Mutilation) wird. (In ihrem Stamm werden immer noch über
50% der Mädchen beschnitten. FGM ist in Kenia
eigentlich verboten, doch immer noch sehr weit
verbreitet. Trotz des Verbotes ist es sehr schwierig
diesen Brauch auszurotten. Von den 43 Stämmen,
beschneiden nur gerade vier ihre Frauen nicht.) Als
wir dies herausfanden, sprachen wir mit den Verwandten
und konnten sie überzeugen, dass Virginia in Nairobi
bleibt. Anfangs Jahr wurde Virginia dann von ihrem
Cousin (Sohn der Tante) sexuell belästigt und wir
mussten wieder eingreifen. Die Tante nahm ihren Sohn
in Schutz und begann Virginia schlecht zu behandeln.
Sie benachrichtigte auch die Grossmutter auf dem Land
und eines Tages im April tauchte diese dann auf, mit
der Begründung, dass sie nun hier sei, um Virginia
mit aufs Land zu nehmen. Dies war ein Schock für
Virginia und für uns. Unsere Mitarbeiter kidnappten
Virginia und versteckten sie zwei Tage (manchmal gibt
es hier etwas unorthodoxe Methoden…). In der
Zwischenzeit versuchten wir mit der Grossmutter und
den Verwandten zu sprechen. Wir beschlossen auch,
Virginia in unsere Grossfamilie auf-zunehmen. Virginia
kam zu uns und verbrachte zwei unbeschwerte Tage, dann
wollte sich die Grossmutter von Virginia verabschieden,
bevor sie wieder zurück aufs Land ging. Virginia ging
nach Soweto um der Grossmutter Lebewohl zu sagen, doch
plötzlich änderte sich die Meinung der Grossmutter
und sie wollte Virginia unbedingt mitnehmen. Im
Klubhaus entwickelte sich ein emotionales Drama
zwischen Virginia, unseren Mitarbeitern und den
Verwandten. Schliesslich hatten wir keine andere Wahl,
als eine weinende Virginia schweren Herzens ziehen zu
lassen. Trauerstimmung herrschte bei den Kindern, den
Mitarbeitern und uns…
Vor
drei Wochen beschlossen wir, zwei unserer Mitarbeiter
zu Virginia aufs Land zu schicken, um zu sehen, ob sie
die Schule besucht und wie es ihr geht. Die zwei
gingen bewaffnet mit offiziellen Briefen von der
Schule in Soweto, vom Sozialamt, das sich um Kinder kümmert,
und von uns. Wir waren froh herauszufinden, dass sie
in die Schule geht. Virginia war glücklich, bekannte
Gesichter zu sehen. (Sie besucht die 6. Klasse der
Dorfschule, da die 5. Klasse bereits überfüllt ist.)
Unsere Mitarbeiter fanden auch die Grossmutter und
sprachen mit ihr. Virginias Mutter war allerdings
gerade wieder einmal im Spital – mit ihr war kein
Treffen möglich. Sie sprachen auch mit den Lehrern über
die Beschneidung und diese versprachen, sich für
Virginia und ihre Rechte einzusetzen. Da Virginia die
Schule besucht und die Verwandten sich um sie kümmern,
hatten wir keine guten Gründe, um sie wieder mit nach
Nairobi zu nehmen. Als sich aber unsere Mitarbeiter
verabschiedeten, sagte der Grossvater, der bis zu dem
Zeitpunkt nichts von der ganzen Geschichte gewusste
hatte, dass wir nie hätten erlauben dürfen, dass
Virginia zurück aufs Land gebracht wurde. Doch leider
sind Familienbande stärker als alles andere und so
sind unsere Hände oft gebunden…
Julius,
einer unserer Mitarbeiter, schrieb ein Lied nachdem
Virginia weggegangen war. Die anderen Kinder singen es
nun im Gedenken an sie. Hier sind ein paar Zeilen
davon übersetzt:
Lehre
mich nicht eine Waffe zu halten / Lehre mich einen
Schreiber zu halten / Lehre mich nicht zu kämpfen/
Lehre mich durch Bücher/
Ich
bin ein Kind, das Liebe braucht / Bitte
steh ein für die Rechte eines Kindes / Seid
stark Kinder, seid stark, auch
wenn sie sich nicht um unsere Rechte kümmern.
Euch
einfach immer wieder ein herzliches Dankeschön für
Euer Mittragen, Eure Gaben und Eure Gebete! Wie unsere
Mitarbeiter, so seid auch Ihr einen ganz wichtiger Teil
unserer Arbeit. Ein Merci auch an alle, die mit uns
durch Briefe oder E-Mails im Kontakt sind.
Mit
herzlichen Grüssen!
Marianneund Jonny
Rundbrief
Anfangs
April 2003
Liebe Freunde!
Schon ist das
erste Quartal des Jahres 2003 vorbei. Ich verbrachte
vier schöne, wenn auch sehr kalte, Wochen in der
Schweiz. Es war schön Familie, Freunde und Verwandte zu
sehen. Jonny blieb während dieser Zeit in Kenia. Doch
nun ist er gerade für etwa 8 Wochen nach Norwegen
gegangen. Der grösste Teil der Unterstützung für
unsere Arbeit kommt aus Norwegen, das sind ungefähr
zwei Drittel des ganzen Einkommens. Jonny wird viel
unterwegs sein und bei verschiedenen Veranstaltungen über
unserer Arbeit sprechen.
Das
Jahr 2003 brachte auch viele Veränderungen für Kenia.
Die Präsident- schaftswahlen Ende Dezember 2002 wurden
von der Opposition gewonnen.Daniel Arap Moi ist nach 24 Jahren als Präsident
zurückgetreten und Mwai Kibaki ist Kenias dritter Präsident.
Wir sind dankbar, dass die Wahlen friedlich und fair
verlaufen sind. Es wurden viele Wahlversprechen
gemacht und jetzt geht es darum, dass sie auch wirklich
umgesetzt werden. Es weht ein optimistischer Wind
durchs Land und alle hoffen, dass es mit der
Präsident,
vergiss die kostenlose Schulbildung,und gratis
medizinische Versorgung…Siewollen
jetztumsonst essen!
Wirtschaft endlich wieder einmal bergauf geht. Der
neue Präsident
hat der Korruption den Kampf angesagt und wir dürfen
schon positive Veränderungen feststellen.
Vielleicht
habt Ihr ja durch die Medien vernommen, dass in Kenia
nun die Primar-schule gratis sei. Dochdas Ganze ist nicht etwa gratis. Man versucht,
dass nicht mehr die Familien für die öffentlichenPrimarschulen das Schulgeld bezahlen, sondern,
dass die Schulkosten vom Staat übernommen werden.
Dies
ist nicht einfach umzusetzen - der Staat braucht dazu
ungefähr 450 Mio. Sfr. (!) pro Jahr. Die Kinder benötigen
trotz allem noch Uniform, schwarze Schulschuhe, Schulsäcke,
Schulbücher, Hefte und anderes Schulmaterial. Auch die
Lehrer wollen für extra Unterricht bezahlt werden.
Als
wir Ende Januar nochmals neun Kinder in die Schule
schickten, mussten wir ihnen sogar Stühle kaufen…
Die
Regierung hofft, dass NGO’s und Hilfsorganisationen
weiterhin Schulgeld für ihre Kinder in den öffentlichen
Schulen bezahlen, da der Staat einfach nicht genug Geld
hat. So wurden auch wir angefragt und bezahlen nun
weiterhin das Schulgeld. Wie die Karikatur zeigt, warten
leider all zuviele
Leute darauf, dass sie alles gratis bekommen werden und
sind nicht bereit sich am Wiederaufbau von Kenia zu
beteiligen.
Nun
die aktuellsten Neuigkeiten:
Paul
und Stian, Besucher aus Norwegen, haben im Dezember ein
Lager für einen Teil unserer Kinder durchgeführt.
Zehn
unserer Kinder und 30 Kinder aus Soweto verbrachten ein
paar unvergessliche Tage am Lake Naivasha beim campen.
Viele dieser Kinder aus Soweto haben Nairobi fast noch
nie verlassen, und sie genossen die Ausflüge, Spiele
und die Gemeinschaft. Auch das Essen war wichtig – sie
konnten sich vier Tage so richtig satt essen. Abends
sassen alle am Lagerfeuer, sangen, tanzten und erzählten
Geschichten.
Im
November des letzten Jahres sind vier unserer Kinder mit
der Primarschule fertig geworden. Wir sind froh, dass
wir für sie gute Sekundarschulen gefunden haben. Das
ist überhaupt nicht selbstverständlich, da es nicht
genug Plätze gibt… Seit Januar schicken wir wieder 20
neue Kinder in die Schule. Sie waren so stolz als sie
ihre Uniform zum ersten Mal anziehen durften.
Immer
wieder klopfen Leute an unsere Tür und bitten uns um
Hilfe. So kam auch Ende letztes Jahres eine weinende
Mutter zu uns und bat um unsere Hilfe. Jonny und ich
haben vor einiger Zeit beschlossen, dass wir keine „neuen
Fälle“ mehr annehmen, bevor unsere Sozialarbeiterin
(Florence Kibicho) mit den Müttern, Kindern und
Nachbarn gesprochen hat. (Leider haben Mütter uns schon
die grössten Lügengeschichten aufgetischt, damit wir
ihnen helfen.)
Die
Geschichte, die diese Mutter mir erzählte, rührte mich
und wir baten Florence nähere Informationen einzuholen.
Sie fand heraus, dass die Mutter vor ein paar Jahren
einen Schreiner heiratete. Zusammen hatten sie
eine Tochter (Kendi). Der Vater, ein fleissiger
Mann hatte seine eigene Schreinerei und schaute gut zu
seiner Familie. Die kleine Familie hatte keine
Sorgen und die Mutter erwartete zum Anfang 2001 das
zweite Kind. Doch ganz plötzlich und unerwartet
verstarb der Vater. Kaum war die Beerdigung vorüber, da